Explicit 100 Millionen Kilo Ballast – wenn Diagnose endlich entlastet (Teil 1) - mit Stephanie Feist
S01:E07

100 Millionen Kilo Ballast – wenn Diagnose endlich entlastet (Teil 1) - mit Stephanie Feist

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100 Millionen Kilo Ballast – wenn Diagnose endlich entlastet (Teil 1) - mit Stephanie Feist

Wir sind diesmal unterwegs in Wolfenbüttel und sprechen mit Therapeutin Stefanie Feist über ADHS bei Erwachsenen – ehrlich, alltagsnah und ohne Klischees.

Sascha erzählt offen, wie sich ADHS im Kopf und im Alltag anfühlen kann – früher und heute. Gemeinsam sortieren wir typische Anzeichen, warum ADHS oft spät erkannt wird und warum eine saubere Diagnostik so wichtig ist.

Hinweis: Dieses Gespräch ersetzt keine Diagnostik oder Therapie.

In dieser Folge

  • ADHS/ADS: Ausprägungen, typische Muster bei Erwachsenen
  • Warum ADHS häufig spät entdeckt wird (und was „Nebenschauplätze“ damit zu tun haben)
  • Komorbiditäten (z. B. Depression) & Abgrenzung
  • Hyperfokus, Masking („funktionieren müssen“) und Alltag
  • Medikamente & Psychotherapie: realistische Erwartungen

Content-Hinweis

Wir sprechen über psychische Belastung und u. a. Depression.

Hilfe & Anlaufstellen (DE)

Wenn dich das Thema akut belastet oder du in einer Krise bist:

  • TelefonSeelsorge: 116 123 (kostenfrei, 24/7)
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Notruf bei akuter Gefahr: 112
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0:00

Willkommen bei Sperr, Sascha und Pierre. Äußerst redselig.

0:07

Heute ist Premiere. Nicht, weil wir zum ersten Mal einen Gast haben, sondern weil Sperr zum ersten Mal unterwegs ist.

0:16

Wir sind in Wolfenbüttel und sprechen mit Therapeutin Stefanie Feist über ADHS.

0:23

Sascha ist selbst betroffen und erzählt offen, wie sich das im Kopf und im Alltag anfühlt, früher und heute.

0:30

Gemeinsam sortieren wir typische Anzeichen bei Erwachsenen, warum ADHS oft spät erkannt wird und warum Diagnostik so wichtig ist.

0:41

Hinweis, das hier ersetzt keine Diagnose oder Therapie. Es ist ein Gespräch zum Verstehen und Einordnen.

0:49

Hier ist Teil 1 unseres Zweiteilers. Auf geht's!

0:56

Guten Tag, Sascha. Hi.

0:59

Hallo.

0:59

Da sind wir wieder.

1:00

Da sind wir wieder.

1:00

Das stimmt.

1:01

Und wir sind unterwegs.

1:03

Ja.

1:03

Wir haben Premiere.

1:05

Mit vielen Dingen auch heute. Wir haben heute mit vielen Dingen Premiere.

1:08

Ja. Wir sind schon ziemlich, finde ich, auch semi-professionell ausgestattet.

1:13

Ich bin auch schon ziemlich arm jetzt.

1:15

Mit Essen ist diesen Monat nicht mehr so viel, glaube ich.

1:18

Ist auch nicht mehr so lang.

1:19

Ganz sei Dank.

1:21

Ja, wir sind heute zu Gast. Wir haben uns selbst eingeladen, beziehungsweise es wurde uns auch aufgemacht.

1:27

Bei Stefanie Feist. Hi.

1:30

Hi.

1:31

Hallo.

1:32

Stefanie Feist ist Therapeutin. Oder am besten machen wir es so, du stellst dich einfach selbst ein bisschen vor.

1:37

Du weißt, Podcast ist so, du redest, wir reden.

1:40

Meistens redet Sascha dazwischen.

1:43

Ja, was wollt ihr wissen?

1:44

Was wollt ihr wissen?

1:44

Verstehe ich nicht.

1:45

Alles Mögliche.

1:46

Ich heiße Stefanie Feist, hast du schon gesagt. Ich bin 41. Ich wohne seit 2009 in Wolfenbüttel und komme eigentlich aus Fulda.

1:54

Bin verheiratet, habe zwei Kinder.

1:55

Ich habe meine Praxis schon angemacht.

1:57

Schon einige Jahre. Ich habe früher mal lange sehr studiert.

2:02

Ein Dreierfach studiert und habe dann in einem Unternehmen gearbeitet.

2:05

Und mit den Kindern bin ich eigentlich in die Selbstständigkeit gerutscht.

2:09

Ich habe hier meine Therapeutenpraxis, Schwerpunkt Psychotherapie und mache halt eben diverse Bereiche gerne.

2:17

Und da zählt eben auch die ADHS dazu, worum es ja heute gehen soll.

2:20

Da es ja auch um ADHS geht, hat Sascha gleich gesagt, das wäre doch mal was.

2:26

Wer ist denn dieser Sascha?

2:27

Du dauernd.

2:29

Ich meine, wunderbar. Scheint heute alles zu wirken bei dir?

2:32

Oder ist es einfach, weil du noch Wasser im Mund hast?

2:34

Ich bin heute nur auf 20 Milligramm und dürfte mir mal so zugehört, was du dir da so aus den Fingern saugst.

2:43

Ja, du hast es erwähnt, du bist Therapeutin für verschiedenste Bereiche.

2:48

Ich habe mich spezialisiert auf Kinder-, Jugend- und Familientherapie.

2:51

Das war mal mein Fokus.

2:54

Hyperfokus ist mein Fokus eigentlich.

2:55

Ich habe aber auch andere Klienten.

2:57

Die damit gar nichts zu tun haben.

2:59

Aber das ist schon so mein Schwerpunkt.

3:02

Wenn wir auf die ADHS gucken, sind es gerade im Erwachsenenbereich oft Erwachsene,

3:06

die im Erwachsenenalter erst diagnostiziert wurden und eigentlich wegen anderen Themen zu mir gekommen sind.

3:12

Nämlich diese ganzen Subgeschichten, die sich eventuell dazu ergeben, wenn eben eine ADHS nicht erkannt wird.

3:19

Also ich hatte zum Beispiel, wenn wir da gerade sind, bei mir waren es Depressionen, die hatte ich ganz lange.

3:23

Allerdings haben sie in der ambulanten Tageszeitung,

3:27

wo ich schon mal viel früher war, gar nichts davon gewusst.

3:30

Sondern die Erkenntnis kam durch Zufall.

3:34

Denn ich hatte eine Freundin, die auf verschiedenen Gründen in die Psychiatrie musste.

3:42

Und als sie wieder rauskam, hat sie einen Sozialarbeiter in die Hand gekriegt.

3:46

Ich glaube, er war vom Landkreis damals.

3:50

Und der war ADHS-Betroffener.

3:51

Sie wollte mit ihm nicht reden.

3:53

Also redet er mit mir und sagte so nach fünf Minuten.

3:56

Falls du überlegst.

3:57

Was du hast, das könnte ich dir sagen.

4:00

Oh wow, okay.

4:01

Und dann war es auch erstmal so, trotzdem, dass ich ja eigentlich einen sozialen Hintergrund habe.

4:07

Also ich habe ursprünglich mal Kinderpfleger gelernt.

4:09

Also der typische Kindergärtner.

4:11

Der hat dann aber nicht gearbeitet.

4:13

Man muss sagen, da war in der Ausbildung, ist ja auch nur von 0 bis 6, ADHS kein Thema.

4:18

Und auch ich habe gedacht, so was viele denken.

4:21

Ja, das sind die Leute, die Aufmerksamkeit suchen und auffallen.

4:24

Und musste dann auch erstmal viel lernen.

4:27

Und bei mir war es auch dieser Zufall, so circa mit 30, wo ich es erfahren habe.

4:33

Ja, das ist schon spät, wenn man überlegt, was trägt so ein Mensch sein Leben lang mit rum.

4:38

Was das für eine Belastung ist halt auch.

4:41

Ja, und hinterher auch was für eine Erkenntnis, wenn man das dann erkennt.

4:46

Weil wir hatten so typische Fälle.

4:48

Man hat ja immer, wenn man die Diagnose macht, hat man ja auch immer den Punkt,

4:52

dass man von früher gucken muss.

4:54

Es muss ja in der Kindheit da gewesen sein.

4:56

Und wir hatten immer den Punkt, dass meine Mutter sich immer gut erinnern konnte,

5:00

dass sie sich tierisch aufgeregt hat, wenn sie gefragt hat, warum kannst du das denn nicht?

5:04

Das kann doch jeder andere auch.

5:06

Und meine Antwort, weiß ich nicht.

5:08

Und dann war sie halt noch saurer als vorher, weil sie das nicht vorstellen konnte.

5:11

Das hat sie letzte Woche übrigens auch erst gesagt.

5:15

Letzte Woche hat sie gesagt, sie kann das mittlerweile alles gut akzeptieren.

5:19

Verstehen wird sie es nie alles.

5:21

Aber mehr würde ich auch nicht verlangen.

5:23

Kannst du, glaube ich, auch nicht.

5:26

Wenn du nicht selbst betroffen bist.

5:28

Vielleicht sollten wir kurz mal sagen, was ADHS eigentlich bedeutet.

5:32

Das weiß vielleicht gar nicht jeder.

5:35

Wie ist es für dich?

5:36

Also in der ICD-10 oder generell ist es ja das Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivitätsstörung.

5:44

Ist ja ein komplizierter Name.

5:46

Gibt ja auch noch die Subvariante mit ADS.

5:49

Aber das meiste ist ja, oder oft ist es ja ADHS.

5:52

Und das ist ja in unserem Fall jetzt hier auch so, wenn ich das richtig verstanden habe.

5:56

Ja, also ich habe den Mischtypus.

5:59

Der ist ja der häufigste im Moment.

6:02

Es ist mal so, mal so.

6:06

Ja, also ich mag gerne die Synonyme, die es so gibt.

6:09

Es gibt ja auch noch so dieses, dass man aus ADHS gemacht hat, anders denken, hören, sehen.

6:15

Das finde ich auch immer ganz gut.

6:17

Wobei, ich glaube, dass das eigentliche Ding ist, dass man immer allen erklären muss, was das ist.

6:26

Und dann dieses typische, ja, das habe ich auch.

6:28

Aber halt anders, weil die haben es mal und nicht immer und solche Dinge.

6:33

Aber ja, sonst ist, ich bin der Mischtypus.

6:36

Ich stelle bei mir, ja, die hyperaktiven Phasen nicht mehr so oft fest.

6:44

Allerdings gibt es so Situationen, ich war zum Beispiel beim Arzt im Wartezimmer und irgendwann kam mal jemand und sagt, ist alles in Ordnung?

6:51

Weil da habe ich wohl die ganze Zeit mit dem Fuß schon gewippt.

6:53

Da war es dann da, die innere Unruhe.

6:56

Die Unruhe und die Hyperaktivität.

6:57

Aber sonst war es eher gemischt.

7:01

Ich würde sagen, zu Hause als Kind zum Beispiel war ich durchaus hyperaktiv.

7:06

In der Schule habe ich mich weggeträumt.

7:09

Da bin ich überhaupt nicht aufgefallen.

7:10

Und das ist ja auch eher untypisch für den Männlichen.

7:13

Aber da bin ich überhaupt nicht aufgefallen.

7:15

Das habe ich einfach an mir vorüber gehen lassen.

7:17

Ja, das ist total interessant, weil die Jungs sind mehr die, die eben in dieses Zappelige, nenne ich es jetzt mal in Anführungsstrichen, gehen.

7:24

Und die Mädchen eher, die in das Ruhige.

7:26

Das Verträumtere, was du gerade sagst.

7:29

Ja, spannendes Thema.

7:34

Ja, also man konnte aber im Nachhinein, wie das bei vielen so ist, man konnte in den Schulbewertungen schon sehen, dass es eigentlich da war.

7:41

Stand immer drin, ich bemühte mich.

7:43

Und ich weiß, ein Lehrer war mal total geflasht.

7:47

Das war mein Mathelehrer.

7:48

Der hat immer so einen Begriff gemacht.

7:50

Es gibt Dünnbrettbohrer und Dickbrettbohrer.

7:52

Und Sascha ist ein Dünnbrettbohrer.

7:55

Der will durch die Zeit.

7:56

Die dicken Bretter nicht durch.

7:57

Und ich habe im Mathe immer so 4, 5, 6 geschrieben.

8:00

Nur in einem Thema, das wieder eigentlich alle anderen gehasst haben.

8:03

In der Bruchrechnung hatte ich meine 1.

8:05

Und ich weiß noch, wie froh und stolz er war.

8:07

Und der dachte, das hat jetzt Klick gemacht.

8:08

Und im Nachhinein kam eigentlich raus, das Einzige, was wahr ist, dass mich das interessiert hat und die Rest nicht.

8:15

Genau, das ist ja auch oft.

8:16

Wenn wir jetzt mal die Kids angucken, dann ist ja ADHS so ein Ding, was gerne in den Raum geworfen wird.

8:22

Und jeder, der so ein bisschen unruhiger oder nicht in der Spur läuft, der hat ja klar,

8:26

ADHS oder ist auch autistisch oder weiß der Geier.

8:30

Und es braucht ja schon eine ordentliche Diagnostik.

8:32

Und das weißt du bestimmt auch selber so.

8:33

Einfach ist das gar nicht.

8:35

Du sprichst von deinen Zeugnissen.

8:37

Du hast bestimmt Fragebögen, Fremdfragebögen vielleicht noch und solche Sachen gemacht,

8:42

bis das überhaupt mal diagnostiziert wird.

8:45

Ich weiß, es geht heute für die, die es nach mir hatten, war es schon leichter.

8:50

Ich habe damals sogar noch lange suchen müssen, bis ich überhaupt jemanden finde, der das macht.

8:55

Und ich meine, ich war in Göttingen zur Diagnose tatsächlich und musste da auch zwei Tage hin,

9:01

weil sie Vergleichstage brauchten.

9:04

Und ja, also es ist so, es ist ja auch mal die Ausschlussdiagnose.

9:08

Es ist dann immer alles andere.

9:11

Aber ja, mit der Diagnose, ich wusste es ja vorher schon, das ist ja bei vielen so,

9:16

wenn sie sich damit schon beschäftigt haben, dass sie das eigentlich schon wissen.

9:20

Aber man will es nochmal auf dem Papier haben und das eigentlich aus zwei Gründen aus meiner Sicht.

9:25

Es gibt die, dazu gehöre ich, die Medikamente nehmen wollen.

9:29

Und es gibt aber auch die, die sagen, sie wollen das nicht.

9:31

Das ist für mich auch legitim.

9:34

Ich weiß, wenn wir gerade bei Medikamenten sind, dass meine Mutter mal sagte,

9:37

sie wüsste nicht, was sie hätte tun sollen, wenn es schon als Kind gewesen wäre.

9:43

Ich würde heute nach meiner eigenen Erfahrung sagen, man kann es ja ausprobieren

9:47

und das Kind selber auch fragen, was es besser und was es schlechter findet.

9:51

Es ist natürlich nicht ganz ohne, je nachdem, was man so,

9:55

was man nimmt.

9:56

Aber ich mache es auch anders als vielleicht andere.

10:03

Ich lebe eher mit diesen wiederkommenden Sachen, weil ich meine Medikamente nicht durchnehme.

10:11

Also ich sage mir, es gibt Tage, da nehme ich sie, weil ich das Gefühl habe,

10:15

ich brauche sie jetzt auch und brauche die Konzentration.

10:19

Oder was ich mal zu meinem Psychiater gesagt habe, ist dieses, wenn ich die jetzt nicht nehme,

10:24

dann verlasse ich sie.

10:25

Meine Arbeitsstellung kommt nicht wieder, weil ich das nicht durchhalte.

10:28

Wenn ich sie genommen habe, schaffe ich es aber tatsächlich, diesen Tag da auch in der Monotonie,

10:33

wenn sie mal da ist, durchzuhalten.

10:36

Aber die Pharmakotherapie ist ja ein wesentlicher Bestandteil der ADHS-Therapie.

10:43

Also 50-50.

10:45

Die Psychotherapie ist genauso wichtig.

10:47

Und das ist ja das Schöne bei den Erwachsenen.

10:49

Sie können selber entscheiden, nehme ich das oder welches Medikament auch immer

10:53

oder nehme ich es halt eben nicht.

10:54

Oder wie du das machst.

10:55

Individuell halt gucken, was der Tag so bringt und brauche ich es oder nicht.

11:00

Und das ist ja auch das Schöne wieder.

11:01

Ich nehme das Medikament und es wirkt direkt.

11:04

Und ich merke auch, wenn es wieder aufhört zu wirken.

11:07

Ich rede jetzt von ich.

11:07

Ich habe kein ADHS, aber so ist es ja.

11:11

Genau.

11:11

Und es hört ja wieder auf zu wirken.

11:13

Und in der Praxis ist es auch eigentlich die Empfehlung,

11:17

wenn Menschen das immer durchnehmen, einmal im Jahr zu sagen,

11:21

ich nehme es mal nicht, um zu gucken,

11:23

ob diese Symptome überhaupt noch persistieren.

11:25

Oder ob es sich vielleicht verändert hat für mich.

11:28

Warum auch immer.

11:30

Weil auch die Psychotherapie hat natürlich das Ziel,

11:33

was zu verbessern, was zu bezwecken.

11:35

Und dafür ist es super, dass es überhaupt solche Mittel gibt,

11:39

um da eine Unterstützung zu schaffen.

11:40

Und für viele ist es eine extreme Erleichterung.

11:43

Ja, das war es.

11:44

Also bei mir ging das tatsächlich auch recht schnell,

11:46

dass ich akzeptiert habe.

11:48

Ich bin ja auch recht offen.

11:49

Ich gehe mit dem Thema sehr offen um

11:51

und habe für mich irgendwann entschieden,

11:54

dass es mir bedingt,

11:57

ich will nicht sagen, dass es mir wirklich egal ist,

11:58

aber es ist mir bedingt egal,

12:00

ob damit jemand umgehen kann oder nicht.

12:02

Also ich gehe damit auf meine Arbeitsstelle,

12:04

die wissen das.

12:04

Ich gehe damit in meinem Freundeskreis um.

12:07

Und ich sage das auch recht früh,

12:09

weil es zu mir gehört

12:11

und ich damit jetzt nicht so ein Problem habe.

12:13

Weil ich denke, es müsste mehr tun.

12:15

Was ich nicht tue, ist das,

12:17

was ich in depressiven Phasen oft getan habe,

12:20

bevor ich das wusste,

12:21

dass ich anfange, irgendwem meinen helfen zu können.

12:24

Das wird nichts und auch keine Diagnose mehr.

12:27

Wenn man so dieses ADHS hat,

12:28

dann hat man den Frühpaarfokus auf ADHS

12:31

und sieht bei Schnellsymptomen,

12:33

das könnte ADHS sein.

12:34

Das muss es aber nicht immer sein.

12:36

Das ist nur, weil ich da den Fokus habe.

12:38

Ja, ja.

12:40

Und das wird wirklich viel in den Raum geschmissen.

12:42

Also ich habe immer mal wieder Anfragen,

12:45

wo eben die Vermutung ist von Erziehern aus der Kita

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oder von Lehrern,

12:50

was ja sicherlich auch nicht böse gemeint ist

12:52

oder dem entsprechenden Kind,

12:54

der ihnen helfen soll.

12:55

Aber es wird schon leichtfertig,

12:59

meiner Meinung nach, kommuniziert.

13:00

Und das verunsichert die Eltern auch wieder

13:02

und auch die Kinder oft.

13:04

Und manchmal ist es so und manchmal halt eben nicht.

13:06

Ich hatte eine Zeit lang,

13:08

als das Thema ADHS damals auch so aufkam,

13:11

das Gefühl, als man das im Bekanntenkreis gehört hat

13:14

oder auch im Bereich der Kollegen,

13:18

ja, dass für alles einfach,

13:21

das wurde erst mal alles,

13:21

das Kind ist so ein bisschen aktiver

13:23

und ist ein bisschen,

13:24

ein bisschen lauter vielleicht auch.

13:26

Dass immer gleich nach der Erklärung gesucht wurde

13:28

und dann ist ja ADHS,

13:30

weil man wusste noch nicht so viel darüber.

13:32

Aber dass man erst mal,

13:33

ADHS ganz bestimmt.

13:35

Und es war mir eine Zeit lang auch,

13:38

finde ich, zu einfach,

13:40

auch in den Erklärungen.

13:42

Wobei ADHS ja auch nicht immer ein Problem sein muss.

13:45

Nein, nein.

13:46

Es gibt welche, die das haben,

13:48

die wissen das bis heute nicht

13:49

und kommen damit super klar,

13:50

weil das Umfeld gestimmt hat.

13:51

Aber bei Kindern ist es natürlich,

13:52

wenn die beispielsweise,

13:54

in der Schule ist es ja schon auffällig,

13:56

wenn du da ein Kind hast,

13:57

das nicht still sitzen kann,

13:59

das vielleicht auch aktiv den Unterricht stört,

14:01

weil einfach die Konzentration nicht da ist.

14:04

Wenn es dann halt so wie bei dir so ist,

14:08

dass du quasi die Schule wegträumst.

14:11

Also, dass du da sitzt und ...

14:13

War das für mich in dem Fall negativ,

14:15

weil man nichts gemacht hat.

14:16

Ja, aber du fällst halt nicht auf in der Regel.

14:19

Du fällst eher dann durch schlechte Noten auf,

14:21

weil du ja dann nicht zugehört hast.

14:22

Aber du fällst halt nicht negativ,

14:24

auch wie ein Kind,

14:25

das aktiv den Unterricht stört.

14:27

Genau, und das sind ja dann auch die Menschen,

14:29

jetzt mal unabhängig davon,

14:31

ob Kind oder schon Erwachsener,

14:33

der auffällt und der in der Gesellschaft

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eine Form von Ablehnung erfährt.

14:37

Du bist zu laut, du störst.

14:40

Was haben wir bei Kindern oft?

14:41

Du kriegst das nicht hin, du bist dumm,

14:43

du nervst oder was auch immer.

14:46

Und aus diesen Du-Botschaften

14:47

werden dann halt auch irgendwann mal Ich-Botschaften.

14:50

Wenn ich das immer wieder gesagt kriege,

14:52

werden daraus Ich-Botschaften.

14:53

Und dann sage ich mir irgendwann,

14:54

ich bin dumm, ich bin zu laut, ich störe.

14:58

Und das ist wie eine Brutstätte,

15:00

aus der dann irgendwann einfach

15:02

andere Krankheiten entstehen können.

15:03

Da sind wir dann in dieses Depressionsbild,

15:06

wo wir dann reinkommen.

15:07

Wenn du natürlich zig Jahre,

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zum einen, wenn es dir gesagt wird,

15:11

und zum anderen, du es ja auch selber merkst,

15:13

was du beispielsweise, warum ich das nicht kann,

15:16

warum kann ich das nicht,

15:18

warum können das alle meine anderen Kumpels oder Freunde,

15:20

da kriegst du halt auch irgendwann die Selbstzweifel.

15:22

Ja, genau.

15:23

Es wird so Ich-Botschaften.

15:24

Es wird so Ich-Botschaften.

15:24

Und das wird ja dann auch zu Glaubenssätzen letztendlich.

15:29

Das verankert sich.

15:30

Und wenn du keinerlei Antwort auch darauf bekommst.

15:34

Wie gesagt, zu Zeiten, wo das halt nicht bekannt war,

15:36

dass es in der Regel das gibt.

15:39

Ich kann mich mal erinnern,

15:40

ich hatte eine Kollegin, deren Tochter,

15:41

da wurde das mit 16 festgestellt.

15:44

Da hat der Kinderarzt immer gesagt,

15:46

es ist halt ein lebhaftes Kind.

15:50

Und da ist das dann rausgekommen

15:53

und bei dir ist es dann auch so,

15:54

dass es irgendwann auch relativ stark eskaliert.

15:58

Aber dann versuche auch erstmal

16:00

so ein 16-jähriges Kind

16:03

dazu zu bringen,

16:04

die Medikamente zu nehmen,

16:05

weil die hat das erstmal abgelehnt.

16:07

Okay.

16:07

Gibt es aber alle Formen.

16:10

Gibt es ja auch die, die nehmen,

16:11

was nehmen die Kids?

16:13

Medikinet oft, glaube ich, oder?

16:15

Medikinet, ja.

16:16

Ich glaube meistens Medikinet tatsächlich.

16:19

Und merken, oh krass, ich komme voll runter

16:21

und ich bin mal nicht so getrieben,

16:24

ich bin so oben innerlich und denen tut es richtig gut.

16:26

Und das gibt es halt genauso.

16:29

Zumindest, ja, ich kann es aus meiner Erfahrung sagen,

16:31

der Kopf ist mal stiller.

16:33

Erstmal bin ich auch noch nicht ganz still,

16:35

aber ich habe das Gefühl,

16:36

es hält mal irgendwas in meinem Kopf,

16:38

auch die Klappe.

16:39

Und ich bin dann nicht mehr so getrieben.

16:40

Wenn man sich mal vorstellt,

16:41

das ist ja eine chronische Geschichte.

16:44

Das ist ja nicht wie,

16:44

wenn wir jetzt eine Depression haben oder so,

16:46

die in Phasen läuft,

16:47

sondern das ist ja ein Dauerbegleiter

16:50

und die Kinder kennen,

16:51

oder die Menschen kennen sich ja gar nicht anders.

16:53

Das gehört ja zu ihnen.

16:55

Also ich syntone Geschichte letztendlich.

16:58

Die ganze Zeit ist das so.

16:59

Die ganze Zeit.

17:01

Und das ist schon anstrengend mit Sicherheit.

17:02

Ich habe vieles auch erst hinterher verstanden.

17:05

Das ist zum Beispiel so,

17:06

ich kann Geräusche nicht gut filtern.

17:09

Das ist immer dann ein Problem,

17:13

wenn wir viele Leute irgendwo sind.

17:16

Und früher wusste ich das nicht.

17:18

Weil mir gar nicht klar war,

17:19

dass andere das vielleicht können.

17:21

Woher auch, wenn ich das nicht kann?

17:23

Ich dachte, die können damit besser umgehen.

17:25

Aber mir war nicht klar,

17:26

dass sie das können und ich nicht.

17:29

Also ich fiel dann schon auf

17:31

und ich falle auch heute auf Arbeit noch auf.

17:33

Nur liebt man meine Ausbrüche,

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zumindest unter meinen Kollegen.

17:37

Ich bin dann wirklich wie so ein Getriebener

17:40

und irgendwann werde ich halt wirklich vorlaut.

17:44

Mische mich in alle Gespräche ein,

17:46

weil ich irgendwie,

17:46

ich habe alles mitgekriegt

17:48

und irgendwann ist zu viel.

17:49

Irgendwann ist halt der Punkt erreicht,

17:51

wo es zu viel ist.

17:52

Und deswegen freue ich mich ganz doll darauf,

17:55

dass wir jetzt in ein Großraumbüro ziehen werden dieses Jahr.

17:58

Okay.

18:01

Ich habe mir schon mal die Noisecans

18:02

in den Kopfhörer rausgepackt,

18:04

weil ich glaube,

18:06

sonst bin ich unerträglich.

18:08

Also das ist,

18:11

das wird nicht schön.

18:14

Wir waren mal im Kino, ne?

18:15

Kannst du dich daran erinnern?

18:16

Wir waren öfter im Kino.

18:18

Die nehmen uns, ich weiß nicht mehr,

18:20

wann es war,

18:21

da haben irgendwie,

18:22

irgendwelche Kids neben uns permanent gequatscht

18:26

und da hast du auch gesagt,

18:27

ich raste hier gleich aus.

18:27

Ja, ja.

18:28

Und das waren um uns rum mehrere,

18:30

die permanent irgendwie geredet haben.

18:33

Und da hat er auch gesagt,

18:34

ich raste hier gleich aus,

18:35

ich kriege nichts vom Film mit.

18:37

Oder anders,

18:37

er kriegt eigentlich alles mit, ne?

18:39

Ja, das ist ja das Problem.

18:40

Ich kriege alles mit,

18:41

was um mich herum passiert.

18:42

Das ist aber nicht nur um die Geräusche,

18:43

das sind auch...

18:44

Unterhaltung und...

18:45

Das sind die Bewegungen,

18:46

wenn ich die aus dem Fenster sehe,

18:48

ich bin jedes Mal raus.

18:50

Also auch grundsätzlich eine hohe Sensibilität

18:52

wahrscheinlich dann, ne?

18:54

Ja.

18:54

Es sei denn, wie gesagt,

18:55

es kommt der berühmte Hyperfokus,

18:57

dann kriege ich gar nichts mehr mit.

18:58

Das ist ja immer die andere Seite des Ganzen.

19:01

Da bin ich unheimlich produktiv,

19:03

da kriege ich wenig mit,

19:04

da baue ich in kürzester Zeit irgendwas auf

19:06

und wenn es ein Podcast ist...

19:07

Gibst viel Geld aus in kürzester Zeit.

19:09

Das ist Impulsivität.

19:10

Das ist eher wieder schlecht.

19:14

Ja.

19:15

Ja.

19:16

Also,

19:17

ich habe mir mal irgendwann die Frage gestellt

19:20

und die finde ich gut beantwortet,

19:22

von mir,

19:23

ob, wenn ich denn dann auch meine Vorteile

19:27

nicht mehr so hätte,

19:28

wie ich sie jetzt hätte,

19:29

ob ich dann mein ADHS abgeben würde

19:33

und sagen würde,

19:33

dann lebe ich lieber ohne ADHS

19:35

und meine Antwort war tatsächlich,

19:36

nee, dann lieber mit.

19:38

Weil du dich dann nicht vollständig fühlst?

19:41

Weil ich einfach auch diese Momente mag,

19:43

in denen ich so super gut funktioniere,

19:45

in denen ich in meinem Hyperfokus bin.

19:48

Das ist ja nicht was,

19:49

was immer nur anstrengend ist,

19:50

sondern das kann man ja auch richtig genießen.

19:52

Und das ist so der Moment,

19:54

wo ich dann merke,

19:55

dass ich den anderen einen voraus habe.

19:57

Also, Pierre hat manchmal die Problematik,

20:00

zum Beispiel auch jetzt mit dem Schneiden oder ähnliches,

20:02

sowas gucke ich mir an,

20:03

bringe es mir so weit bei,

20:05

so weit muss ich ehrlich sein,

20:06

so wie ich es brauche

20:07

und dann kann ich das.

20:08

Und dann sage ich,

20:09

Pierre, guck, du musst das da und da und da

20:10

und dann gehe ich davon aus,

20:11

dass er das auch versteht.

20:13

In derselben Zeit.

20:14

Funktioniert nicht.

20:15

Also, da habe ich meinen Vorteil.

20:16

Dafür kann Pierre aber besser die monotonen Aufgaben machen.

20:20

Und das ist total cool,

20:21

dass du das sagst,

20:22

weil wenn die Menschen da erstmal ihre Diagnose haben

20:25

und haben dann eine entsprechende Edukation dazu,

20:28

also verstehen, was das eigentlich ist,

20:31

was das bedeutet,

20:32

warum reagiere ich,

20:34

wie ich reagiere,

20:35

können das einsortieren,

20:36

fangen die auch an zu erkennen,

20:38

was sie für einen Vorteil daraus ziehen können.

20:41

Also die andere Seite der Medaille

20:42

und den Hyperfokus, den du nennst,

20:45

das ist ja so eine Sache zum Beispiel.

20:48

Oder diese Kreativität und solche Sachen.

20:52

Die sind ja auch sehr empathisch,

20:54

die ADHSler nenne ich sie jetzt mal.

20:56

Also man spricht,

20:57

ich habe viel auf diesem,

20:58

viele nennen sich das so eine Art Superkraft.

21:02

Ja.

21:02

Also bei Kindern ist das ja auch oft so die Erklärung,

21:06

das ist jetzt deine Superkraft.

21:08

Genau.

21:09

Es gibt immer so zwei extremst interessant,

21:11

also auch wenn das jetzt nicht hören wollte,

21:13

aber hört es ja auch nicht.

21:14

Mein Vater ist der ADHS-Teil bei uns in der Familie

21:17

und dem fehlt es an Empathie.

21:20

Der hat genau das Spektrum,

21:22

was ich aber lustigerweise habe.

21:25

Ich habe tatsächlich zu viel von dieser Empathie,

21:28

kann ich gut mit umgehen mittlerweile.

21:30

Dafür kann ich aber oft auch gut einschätzen,

21:34

wie Menschen reagieren werden,

21:37

weil ich wirklich denke, wie sie denken würden

21:39

und nicht wie ich in dieser Situation handeln würde.

21:43

Das nutzt meine Mutter mittlerweile,

21:45

wenn sie manchmal irgendwie schwierige Kontakte hat,

21:47

dass sie sagt, was denkst du denn?

21:48

Und das ist ganz lustig eigentlich.

21:50

Das ist aber auch sehr hilfreich.

21:52

Weil ich auch da bei meinen Mitmenschen,

21:55

wo ich sonst Probleme hätte, immer schnell weiß,

21:57

ja, da machst du lieber das nicht

21:59

oder da sagst du lieber das nicht, sofern das geht.

22:02

Wir hatten zum Beispiel mal einen Kollegen,

22:04

da habe ich schnell rausgefunden,

22:05

geh nicht hin und komm mit Arbeit,

22:08

sondern frag ihn erst mal privat, wie es ihm geht.

22:11

Genau.

22:11

Ihr müsstest ja erst mal so ein bisschen smalltalken.

22:14

Hört dir das an? Ist auch egal.

22:16

Solange du nicht den Namen nennst.

22:18

Sagen wir einfach, man musste am besten anfangen

22:20

mit irgendwelchen Bahnhöfen und Zügen.

22:22

Jetzt weiß er auf jeden Fall, dass er gemacht ist.

22:25

Das war so sein Special Interesse.

22:28

Und er mochte nicht, wenn man direkt mit Arbeit kam.

22:32

Wenn man aber erst auf der privaten Schiene kam,

22:34

dann war alles okay.

22:36

Er hat auch gerne was gemacht, das war nicht das Thema.

22:38

Aber bloß nicht mit Arbeit ins Zimmer kommen,

22:41

dann war man unten durch.

22:42

Wobei ich sagen muss, dass das auch immer hilft,

22:44

dass man wirklich gut auf Augenhöhe miteinander umgehen kann.

22:48

Es ist halt eine sehr individuelle Erkrankung einfach,

22:52

die nicht nachfolgt.

22:52

Ja.

22:52

Und sich auch auf Schema F läuft

22:53

und sich bei jedem halt auch anders präsentiert letztendlich.

22:57

Ist ja auch ein sehr weites Feld mittlerweile.

23:00

Also wenn man dann diese ganzen Subs noch nehmen,

23:03

worin das noch alles münden kann.

23:06

Du hast ja beim ADHS ein Spektrum.

23:08

Genau, ein weites Spektrum.

23:10

Genau, du hast immer was, wo wir uns kreuzen werden.

23:13

Also ich habe auch in meinem Freundeskreis

23:14

tatsächlich immer mal wieder ADHSler.

23:18

Teilweise auch auf einem anderen Spektrum.

23:20

Es ist aber auch wieder so diese Anziehung.

23:22

Weil man weiß sofort, ja, man versteht sich,

23:25

man hat ähnliche Denkweisen.

23:27

Das funktioniert in der Regel recht gut,

23:30

wenn beide Parteien sich dessen bewusst sind.

23:33

Wenn das nicht so ist, dann kann es ein bisschen schwieriger.

23:35

Aber das ist schon, also wenn ich dann mit denen rumziehe,

23:38

ist es so ein bisschen wie nach Hause kommen.

23:40

Weil da funktioniert es auch mit den Kontakten so,

23:43

weil ich habe halt auch diese typischen ADHS-Problematiken.

23:46

Ich vergesse so einen Chat,

23:47

wenn ich ihn nicht gleich beantworte oder ähnliches.

23:50

Und dann habe ich deswegen,

23:52

deswegen habe ich die meisten Freundschaften so in On-Off.

23:56

Also man trifft sich und macht genau da wieder weiter,

23:59

wo man aufgehört hat.

24:00

Und wenn Monate dazwischen liegen,

24:02

das kann aber natürlich nicht jeder Mensch,

24:04

weil es ist irgendwie auch nicht nett.

24:06

Aber mit denen, die ich jetzt habe, funktioniert das gut.

24:10

Und dann gibt es so die Freundschaften wie mit Pierre.

24:12

Das ist wirklich wie so ein Ehepärchen.

24:14

Ich glaube, es gibt keine drei Tage, in denen wir uns ...

24:16

Ich weiß manchmal nicht, ob ich mich darüber freue.

24:17

Deswegen sitzt ihr hier auch nebeneinander auf meiner Couch.

24:19

Ja, wir gehen an der Mauer des Vertrauens.

24:22

Ich glaube, es gibt keine drei Tage, in denen wir uns nicht sprechen.

24:25

Ja, es gab auch schon mal, da haben wir jetzt eine Woche.

24:28

Aber jetzt durch den Podcast sind wir ja wieder ein bisschen zusammen.

24:32

Aber ich habe auch eine Freundin mit ADHS

24:34

und die macht das tatsächlich auch.

24:36

Also dieses in Vergessenheit geraten, sich nicht melden.

24:41

Früher hat mich das auch mal echt geärgert, muss ich zugeben.

24:44

Aber mittlerweile sehe ich das durch eine andere Brille

24:46

und verstehe das und weiß, okay, das gehört halt einfach zu ihr.

24:49

Und ich kann das gut annehmen.

24:51

Und ich glaube,

24:51

wenn man dann so ein offener Typ ist wie du,

24:53

der da gar nicht so ein Geheimnis draus macht, dann ...

24:56

Genau, da sind wir wieder bei nach der Diagnose

24:58

und des Verstehens, worum es ging,

25:00

hatte ich die Möglichkeit,

25:02

mich endlich selbst zu verstehen und mich zu erklären.

25:04

Also es gibt immer Menschen,

25:06

die regen mich dann auch auf,

25:08

die das halt absolut nicht akzeptieren können.

25:10

Aber das ist okay in gewisser Weise.

25:14

Wobei ich finde es nicht okay.

25:15

Ich muss sie auch akzeptieren, aber ...

25:18

Du hast mit Akzeptanz von anderen Menschen

25:20

eigentlich ein größeres Problem manchmal.

25:21

Ja.

25:23

Das ist richtig.

25:25

Ja.

25:26

Aber diese ...

25:28

Jetzt habe ich meinen Faden verloren.

25:30

Ja, das macht nichts.

25:31

Jetzt weißt du mal, wie das ist.

25:33

Dann ist es doch aber wieder schön,

25:34

dass wir selber entscheiden können,

25:36

welche Menschen wir in unserem Leben haben, welche nicht.

25:38

Ich gebe Menschen mittlerweile immer eine zweite oder dritte Chance,

25:42

weil ich weiß, mein Fehler funktioniert nicht so gut.

25:45

Ich finde immer erst mal was, was ich doof finde.

25:47

Und dann habe ich immer noch das schwarz-weiß-Ding,

25:51

dann finde ich die erst mal.

25:51

Und dann finde ich, das ist doch doof.

25:52

Dann mache ich mir selber wieder klar,

25:54

das ist mein Filter.

25:56

Das ist mein Filter.

25:57

Und dann gebe ich zweite und dritte Chance,

25:59

weil dieses schwarz-weiß-Denken ist eigentlich ein Problem von mir.

26:04

Wir haben das ja bei uns im allerersten Podcast,

26:06

den du bestimmt gehört hast,

26:08

haben wir das ja schon mal thematisiert.

26:11

Ich glaube, wir haben das in mehreren Podcasts schon.

26:14

Das als Sascha und ich quasi zusammen in einem Büro gestellt haben.

26:17

Also wir kamen aus ganz unterschiedlichen Abteilungen

26:20

und dann wurden wir ...

26:21

Ja.

26:21

Ja.

26:21

Ja.

26:22

Ja.

26:22

Ja.

26:22

Ja.

26:22

Ja.

26:22

Ja.

26:22

Wir haben quasi zu einem Team verschmolzen

26:23

und ein Büro gesteckt.

26:25

Und wir hatten vorher schon immer so ein paar Gespräche

26:27

mit unserem damaligen Chef.

26:29

Und hinterher irgendwann vor Monaten eröffnete dann Sascha dann,

26:33

dass er mich eigentlich richtig blöd fand.

26:36

Obwohl er mich gar nicht kannte.

26:37

Also nur vom High.

26:38

Und dann magst du mir noch die Hand geben

26:40

und was wir so vorhaben.

26:41

Das ist aber in gewisser Weise normal.

26:43

Also auch meine gute Freundin Julia,

26:47

die fand ich am Anfang richtig doof.

26:50

Ich will schon sagen,

26:51

die habe ich überhaupt nicht leiden können.

26:53

Und mittlerweile ist sie aber

26:54

eine meiner engsten Freundinnen überhaupt.

26:57

Also das ist bei mir in gewisser

26:58

Weise, ich habe dich erst

27:00

mal abgestempelt. Wenn ich dich abgestempelt habe,

27:02

habe ich dich abgestempelt.

27:04

Und danach gehe ich nochmal in mich und gucke

27:06

mir das an aus unterschiedlichen Perspektiven.

27:10

Da habe ich

27:10

ein bisschen gearbeitet

27:12

mit damals

27:14

Vera F. Birkenbiel.

27:16

Die hat da ganz viel zugemacht.

27:19

Allerdings habe ich ihr Angebot

27:20

angenommen und das mitgenommen,

27:22

was ich für sinnvoll halte

27:23

und das gelassen, was ich für nicht

27:26

so sinnvoll halte. Aber die hat so ein

27:28

Inselprinzip, das fand ich ganz gut.

27:31

Jeder Mensch hat so seine

27:32

Insel und um den verstehen zu müssen,

27:34

muss man Brücken bauen und sonst

27:36

ist jeder erst mal egoistisch und doof.

27:38

Und das ist schon etwas,

27:40

das mir da gut geholfen hat.

27:43

Ja und auch jeder

27:44

trägt so seine Päckchen.

27:46

Vielleicht keine ADHS,

27:48

aber dafür irgendwas anderes.

27:50

Genau und je nachdem, was wir so machen,

27:52

haben wir auch alle völlig unterschiedliche

27:54

Realitäten. Also das ist,

27:56

jeder lebt so in einer anderen Welt.

27:58

Das ist einfach so. Und das kann ich

28:00

mittlerweile gut akzeptieren.

28:02

Auch wir beide sind in manchen Punkten

28:04

ja wirklich sehr unterschiedlich.

28:05

Ich würde sogar sagen, in vielen Punkten.

28:07

In den meisten.

28:09

In allen.

28:11

Also ich würde behaupten,

28:12

in 75 Prozent

28:15

der Punkte sind wir sehr unterschiedlich

28:18

und sind auch nicht immer einer Meinung.

28:19

Aber wir können,

28:20

da ganz gut mit umgehen,

28:21

dass wir nicht einer Meinung sind.

28:24

Ja, wir haben noch diese Stammtisch-Mentalität.

28:26

Genau, das ist ein schönes,

28:28

finde ich, ein schönes Bild

28:30

zu sagen, was man ruhig denkt,

28:32

ohne dass der andere gleich sagt,

28:33

ich stehe jetzt auf und gehe.

28:35

Sondern wir machen das trotzdem dann.

28:37

Es kann schon passieren, dass ich gehe,

28:38

aber ich komme wieder.

28:39

Wie ist das für dich mit deiner ADHS-Symptomatik,

28:42

wenn du richtig Stress bekommst?

28:45

Also wenn ich richtig Stress bekomme,

28:47

werde ich erst mal, glaube ich,

28:48

ein bisschen kopflos.

28:50

Und danach gibt sich das aber wieder.

28:55

Wo ich, aber auch typisch ADHS,

28:57

richtig gut funktioniere,

28:59

ist, wenn von jetzt auf gleich irgendwas knallt

29:01

und ich muss jetzt sofort einsatzbereit sein.

29:05

Das kann ich ganz gut.

29:07

Also da funktioniere ich gut.

29:08

Das ist ja auch im Job IT

29:10

dann wieder sehr praktisch.

29:12

Ich hatte mal einen Kollegen,

29:13

der hat gesagt, wenn ich nichts zu tun habe,

29:15

habe ich alles richtig gemacht.

29:16

Das sah aber nur er so und sein Chef nicht.

29:19

Aber grundsätzlich,

29:20

hat er da nicht ganz Unrecht.

29:23

Ja, ich arbeite ja hier viel auch mit Müttern,

29:27

Familien, Müttern dann meistens,

29:30

wo das ein Thema wird,

29:31

wenn die Kinder auf der Welt sind

29:32

und die dann richtig Stress haben,

29:34

weil sie von mir aus viel alleine sind,

29:37

zu viel einfach machen,

29:38

total überlastet, überfordert sind

29:40

und dann nimmt das zu.

29:42

Und dann findet man den Weg so dorthin.

29:45

Und das finde ich mega spannend.

29:47

Deswegen die Frage gerade,

29:49

wie das bei dir ist,

29:49

wenn du Stress bekommst.

29:50

Oder auch anhaltenden Stress vielleicht.

29:53

Ich versuche ihn zu umgehen.

29:55

Ich bin zum Beispiel eigentlich der Typ wie du, Pierre.

29:59

Eigentlich komme ich zu spät.

30:02

Habe mir aber immer angeeignet,

30:04

viel zu früh da zu sein.

30:05

Dann stehe ich halt 20 Minuten irgendwo

30:07

und warte auf dich,

30:08

weil dann bin ich immerhin pünktlich.

30:10

Ich bin nur zu früh da.

30:11

Das ist richtig.

30:12

Und ich kann meinen zu spät kommen

30:14

nicht mal entschuldigen mit irgendwas.

30:16

Das ist mir eigentlich auch...

30:17

Das ist einfach in der Regel ein schlechtes Zeitmanagement.

30:20

Ich habe es auch schon mal gesagt.

30:21

Ich habe so lange ein Motivationsproblem,

30:23

bis ich ein Zeitproblem habe.

30:24

Schon hast du wieder was fürs Phrasen.

30:27

Aber du willst es ja nicht.

30:29

Du hast es abgelehnt.

30:30

Ich habe in dem letzten Podcast es so geschnitten,

30:33

dass ich damit einverstanden war.

30:36

Aber gehen wir mal davon aus,

30:37

wir haben da so eine junge Frau,

30:38

die hat ein Kind, was nicht schläft.

30:40

Das ist so der Klassiker.

30:42

Das nicht schläft.

30:43

Sie schläft dadurch auch weniger, hat richtig Druck.

30:46

Und dann wird das aufgearbeitet.

30:47

Und dann kommen diese ganzen klassischen Sachen,

30:49

die kommen dann so noch dazu.

30:51

Und als völlig selbstverständlich,

30:53

und das finde ich auch ganz, ganz wichtig,

30:54

dass man das berücksichtigt.

30:56

Man kommt ja mit der ADHS auf die Welt.

30:58

Das kriege ich ja nicht erst mit zwölf oder so.

31:01

Das ist ja da.

31:02

Und es ist für die Betroffenen oft,

31:05

das bin ich halt.

31:06

Das ist mein Charakter oder das sind meine Eigenschaften.

31:09

Und die erkennen gar nicht,

31:10

dass es ein Krankheitsbild ist.

31:12

Und das ist mega, mega spannend.

31:15

Und wenn ich jetzt mal bei den Frauen

31:17

oder bei den Müttern bleibe,

31:18

wenn die dann dahin kommen,

31:19

und dann durch einen Facharzt oder so eine Diagnose bekommen

31:23

und eine Medikation als Unterstützung erst mal kriegen,

31:26

dann sind das 100 Millionen Kilo,

31:28

die da erst mal abfallen,

31:30

an Ballast, der da dahinter steckt.

31:32

Und das ist teilweise so emotional,

31:35

wenn die mal eine Ruhe kriegen.

31:36

Und dieses, was für sie immer normal war,

31:39

ist auf einmal Pause und mal durchatmen.

31:44

Und das finde ich aus meiner Sicht,

31:46

also aus der gegenteiligen Position hier,

31:49

mega beeindruckend.

31:51

Jedes Mal wieder.

31:52

Und toll, dass es dann auch sowas gibt,

31:55

was eine Pause macht.

31:56

Toll, ja.

31:58

Jetzt habe ich mich reingeredet.

31:59

Wenn Sascha nicht schlafen kann aufgrund des ADHS,

32:02

dann shoppt Sascha.

32:03

Aber das ist ja auch typisch ADHS eigentlich.

32:06

Und schickt mir dann aber auch um halb vier

32:08

dann gleich, guck mal, was ich gekauft habe.

32:12

Hast du keinen Flugmodus an?

32:13

Naja, ich schlafe ja, Gott sei Dank.

32:15

Also ich holde mein Handy nicht.

32:17

Aber wenn du nochmal so eine

32:19

Mutter hast, dann sag ihr, nimm das Handy weg

32:21

und kein Amazon drauf oder sonstige.

32:24

Das Shoppen ist tatsächlich

32:25

ein Riesenpunkt. Und dann horten die

32:27

ihre Amazon-Päckchen und dann bringen sie die

32:29

halt wieder zurück. Weil da steht ja dann auch

32:31

noch der Mann,

32:32

der dann sagt, das geht so nicht.

32:36

Das müssen wir zurückbringen.

32:37

Du bringst sie nur zurück, wenn du das noch hinkriegst.

32:40

Es gibt so Dinge,

32:42

Pia, auch was wichtig ist,

32:43

das ist manchmal ein Problem, auch bei mir.

32:45

Also ich habe neulich

32:46

vier Tage nicht geschafft,

32:48

mir Folgerezepte zu holen.

32:50

Weil ich immer, wenn ich dran gedacht habe, hatte der Arzt gerade zu.

32:52

Dann habe ich gesagt, gut, mache ich später.

32:54

Dann war die Sprechzeit zu Ende.

32:57

Aber mein Medikament auch schon lange.

32:59

Das hat vier oder fünf

33:01

Tage gedauert.

33:02

War nicht schön.

33:04

Aber ich finde das ganz, ganz wichtig herauszustellen,

33:06

dieses, wenn man

33:08

die Vermutung hat, das könnte in so eine

33:10

Richtung gehen, würde ich immer raten,

33:12

macht eine Diagnostik. Das tut keinem weh.

33:16

Wobei ich aber glaube,

33:17

dass das heute gerade im Bereich der,

33:18

Kinder und Jugend,

33:21

hast du extreme Wartezeiten.

33:23

Also ich weiß auch...

33:24

Die hast du auch im Erwachsenenalter.

33:26

Ja, wahrscheinlich. Weiß ich nicht,

33:28

ob du da dieselben

33:30

diagnostischen Bögen kriegst.

33:33

Da weiß ich nicht.

33:34

Ist die Diagnostik bei Erwachsenen

33:36

dieselbe wie bei Kindern?

33:37

Du hast bei den Erwachsenen die Herausforderung,

33:40

dass du halt nachweisen musst, also laut der ICD-10.

33:43

Erklär vielleicht nochmal kurz,

33:44

was die ICD-10 ist.

33:45

Die ICD-10 ist unser

33:47

Klassifikationssystem in Deutschland

33:49

quasi für alle psychischen Störungen.

33:52

Und da ist die ADHS natürlich mit

33:53

aufgeführt. Da haben wir diese Batterie,

33:55

die du vorhin genannt hast, an den verschiedenen

33:57

Symptomen, die Hyperaktivität,

34:00

sagen wir noch, die Impulsivität,

34:01

die Reizbarkeiten sind halt eben

34:03

die verschiedenen Symptome, die bei allen

34:05

ein bisschen anders ausgeprägt sind.

34:07

Und bei den Erwachsenen ist die erste Hürde,

34:10

dass sie quasi nachweisen müssen,

34:11

dass die ADHS-Symptomatik

34:13

im Kindesalter schon vorlag.

34:15

Wenn ich mich nicht irre, dann ist es bei der ICD-10,

34:17

bei der ICD-11 ein bisschen aufgeweichter,

34:19

dass es bis vor dem 12. Lebensjahr

34:21

sein musste, aber aktuell mit der

34:23

ICD-10 ist es noch vor dem 6.

34:25

Und das ist schon schwierig.

34:27

Da gibt es ja auch noch keine wirklichen

34:29

Zeugnisse oder sowas. Und da ist halt

34:31

eben die Fremdbeurteilung wichtig,

34:33

weil das Kind selber oder der Erwachsene,

34:35

wenn du jetzt als Erwachsener in der Diagnostik sitzt,

34:37

du kannst dich ja gar nicht mehr so

34:39

viel daran erinnern. Meistens zumindest.

34:41

Ich glaube, du würdest zum Beispiel ein starkes

34:43

Problem kriegen, das haben ja auch viele,

34:45

wenn du dich mit deinen Eltern verstritten hast.

34:47

Später.

34:47

Und du dich dann gar nicht mehr miteinander redest,

34:49

weil die müssen diese Bögen ausfüllen.

34:52

Und was beim Erwachsenen noch dazu kommt,

34:54

was jetzt immer ein bisschen kompliziert ist,

34:56

macht, wir haben gelernt

34:58

zu maskieren.

35:00

Richtig.

35:00

Wir wollen ja wirken, als würden wir funktionieren.

35:04

Und dann maskieren wir stark.

35:05

Und dann musst du noch unterscheiden, wo wird

35:07

maskiert und wo ist es

35:10

wirklich, weil das ist manchmal nicht ganz klar.

35:12

Genau.

35:14

Jetzt haben wir ja vorhin schon mal kurz gesprochen,

35:16

die Kinder kriegen dann ihre

35:17

Sätze, du bist zu laut etc.,

35:19

du störst den Unterricht und so weiter.

35:21

Das ist ja gar nicht in der

35:23

bösen Absicht, um denjenigen irgendwie zu

35:25

verletzen oder das Schlimmere ist

35:27

anzurichten. Aber wenn jetzt jemand ständig

35:29

aufsteht im Unterricht, soll eine ruhige

35:32

Arbeit gemacht werden oder sowas, der steht

35:33

ständig auf, der Stuhl fällt um.

35:36

Ich hatte einen Jungen mal, der musste

35:37

immer, der hat immer diesen Drang gehabt, aufzustehen

35:40

und im Kreis zu laufen.

35:42

Natürlich stört das die anderen

35:43

Schüler. Das ist ein unglaublich

35:46

leidvoller Weg für so ein

35:47

Kind.

35:47

Wenn es immer wieder diese Ablehnung

35:49

und diese Ausgrenzung auch bekommt,

35:52

sprechen wir nun mal von Kindergeburtstagen,

35:54

wo die dann nicht mehr eingeladen werden

35:55

und so weiter.

35:57

Das ist schon

35:58

harter Tobak.

36:00

Und dann geht es ja nicht nur bei den Kindern ja auch los,

36:03

sondern in den Elterngruppen,

36:05

gerade in Zeiten von WhatsApp oder

36:07

anderen Messenger-Diensten ist ja dann auch

36:09

immer der Teufel los.

36:11

Genau und letztendlich hast du dann für die

36:13

Erwachsenen die Zeugnisgeschichte, um das irgendwie

36:15

nachzuweisen und halt eben Gespräche,

36:17

mit den Eltern, Fragebögen,

36:19

Fremdbeurteilung, Eigenbeurteilung

36:21

und dann guckt man letztendlich,

36:24

bestehen die Symptome

36:25

heute immer noch. Die Frage ist ja was,

36:27

also wenn ich jetzt so unsere Jahrgänge

36:29

nehme, 41,

36:31

bin 39,

36:33

mit 43,

36:36

also bei mir stand ja ein Text

36:37

überschaubares drauf,

36:39

auf den Zeugnissen, ich weiß jetzt nicht inwiefern da,

36:41

gerade wenn es ein Kind

36:43

oder Jugendlicher ist, der eher

36:45

verträumt ist und nicht groß auffällt,

36:47

immer abgesehen von seinem.

36:48

Es stand genau das drauf, was es war.

36:51

Es stand immer drauf,

36:53

ich könnte mehr,

36:55

bin aber immer unter meinen Leistungen

36:57

geblieben und es war immer so, dass man

36:59

sich gesagt hat. Aber reicht das schon,

37:01

um nachzu, als Nachweis für...

37:03

Es ist hilfreich. Genau, es geht

37:05

darum, um diese Tendenz letztendlich.

37:07

Du hast ja dann das, was die

37:09

Eltern sagen, im besten Falle, das wo du

37:11

dich vielleicht selber noch dran erinnerst

37:13

und die Zeugnisse sind halt ein

37:14

Baustein, der da mit reinfällt.

37:17

Ja. Und es ist so dieses,

37:19

im Prinzip hat man immer gesagt, man weiß,

37:21

ich kann mehr, aber irgendwie will ich

37:23

ja nicht. Und das war ja nicht der Fakt, das ist

37:25

das Problem. Aber ich behaupte, es gibt auch Kinder,

37:27

die einfach so sind. Also ohne, dass sie jetzt

37:29

ADHS haben, sondern einfach die, die keinen

37:31

Bock drauf haben und dementsprechend,

37:33

die gab es auch schon immer. Ja, aber da bin ich

37:35

jetzt, finde ich jetzt wieder schwierig, dann würde ich wieder sagen,

37:37

warum?

37:39

Weil es denen in der Schule einfach keinen Spaß macht.

37:41

Aber warum?

37:43

Naja, wir haben ja auch Kinder, die auffallen,

37:45

weil sie zum Beispiel Schwierigkeiten zu Hause

37:47

haben. Ganz klassisch.

37:48

Dann haben wir aber wieder ein Warum, das meine ich hier.

37:50

Dann ist auch da ein Hintergrund, den man sich angucken

37:53

müsste. Ja, natürlich.

37:55

Also eine Diagnose zu

37:57

stellen,

37:59

das macht man nicht mal eben so in 10 Minuten.

38:01

Aber anhand von 20 oder

38:03

30 Jahre alten Zeugnissen?

38:05

Ja, also auch. Es ist ja nur

38:07

ein Bauteil.

38:08

Aber da muss ja schon ein Deutiges ja auch dann drinstehen.

38:11

Ja, bedingt. Du hast ja noch die

38:12

Fragebogen, die die Eltern

38:15

kriegen zur Beobachtung.

38:17

Du hast ja noch die Beurteilung, du bist selber

38:18

bei einem Gespräch. Ich hatte mehrere, die gingen

38:21

recht lange. Da ging es darum, wie es

38:23

mir geht, wie ich mich wahrnehme,

38:25

wie ich irgendwo reagiere.

38:26

Und dann gab es noch einen Computertest,

38:29

bei dem ich meine

38:30

Aufmerksamkeit getestet wurde.

38:33

Das sind ja

38:34

richtig gut strukturierte

38:36

Interviews letztendlich, die dann da mit

38:38

den Betroffenen geführt werden. Und auch, wenn

38:41

du erwachsen bist, gibt es auch

38:42

die Möglichkeit,

38:45

eine Fremdeinschätzung durch den Partner

38:46

auch einzuführen.

38:47

Oder dich Freunde oder so.

38:49

Und auch die Differenzialdiagnostik

38:51

ist ja auch nicht so ohne.

38:53

Jedes Symptom kann ja

38:55

auch was anderes sein. Und es braucht schon eine

38:57

klare Diagnostik.

38:59

Ich war bei mir zum Beispiel drin, dass man

39:01

noch gucken musste, weil man

39:03

vielleicht auch eine Sozialphobie

39:05

gesehen hätte.

39:07

Was häufig ist bei ADHS.

39:09

Oder was heißt häufig? Nicht so selten.

39:11

Drücken wir es so aus.

39:12

Hatte ich früher auch ganz stark.

39:15

Heute

39:15

nicht mehr, weil ich habe mir ja

39:17

irgendwie

39:17

also ich habe es mit ungefähr 30

39:20

erfahren und dann ging der Weg ja

39:22

tatsächlich los, muss ich sagen. Dann habe ich

39:24

erfahren, ich habe ADHS. Ich war

39:26

schon in Behandlung wegen der Depression.

39:29

ADHS war dann der Schlüssel, um

39:31

das überhaupt erstmal alles wieder

39:32

in die Biege zu kriegen. Ich hatte einen

39:34

Therapeutin, bei dem

39:36

ich heute sagen würde,

39:38

ich glaube, er kannte sich nicht so super mit dem

39:41

Thema aus, war aber für mich

39:42

irgendwie doch gut, weil er

39:44

wehgegangen ist, die untypisch war.

39:47

Also

39:47

ich war so stark

39:50

depressiv, dass ich mir irgendwann gesagt habe,

39:53

also ich probiere das jetzt noch

39:55

einmal mit irgendeiner Therapie

39:56

und wenn das nicht wird, dann gehe ich

39:58

über den Jordan, da war ich mir recht sicher.

40:00

Muss man ganz offen so sagen und ich habe dann

40:02

diesen Therapeuten gekriegt,

40:05

mit dem ich eine Abmachung hatte,

40:07

die für ihn auch nicht ungefährlich war.

40:09

Also er war Psychotherapeut und Allgemeinarzt.

40:12

Wir haben

40:13

nämlich die Abmachung getroffen. Ich muss mich

40:15

jeden Tag bei ihm melden. Dafür kann ich

40:17

die Klinik vermeiden, weil da wollte ich nicht hin.

40:19

Weil ich die Klinik bei

40:21

anderen, in meinen Fällen,

40:23

ich will nicht sagen, dass das allgemein so war,

40:24

bei meinem Bekanntenkreis waren die immer

40:26

welche, die sind da hingegangen, die waren auch nicht so richtig

40:29

bereit, sich helfen zu lassen, würde ich heute

40:31

sagen, kamen da wieder raus und

40:33

alles brach wieder zusammen.

40:35

Und mein Kopf hat dann gesagt, nee, dann kann ich es auch

40:36

gleich ohne Klinik machen, weil dann habe ich

40:38

alles andere trotzdem noch, was ich so habe.

40:41

Und bei

40:42

vielen Dingen, ich will es nicht

40:44

genau behaupten, aber ich habe bei manchen,

40:46

das Gefühl, er könnte selbst betroffen

40:48

sein von dem ADHS, weil

40:50

vieles war für ihn so ganz normal.

40:52

Das hat mir ein bisschen geholfen

40:54

und er war halt von einer Art so,

40:57

also ich hatte vorher,

40:59

etliche Jahre vorher mal einen Versuch

41:00

mit einer ambulanten Therapie,

41:03

mit einer Tagesklinik.

41:04

Die sind heute bestimmt weiter, aber

41:06

2002 war das, glaube ich,

41:09

2003 waren die nicht so

41:10

weit zu erkennen, was mit mir los war.

41:12

Und ich war ziemlich gut darin, rauszufinden,

41:15

was sie hören wollen irgendwann.

41:16

Und damit ich nicht in so Gesprächen,

41:19

die wir hatten, abgestempelt

41:21

werde als nicht therapierbar, weil das wollte ich

41:23

damals nicht sein, sondern ich

41:25

bin quasi als geheilt

41:27

entlassen worden. Und wenn man die Berichte noch

41:29

sehen würde, ich habe sie,

41:31

dann kann man sehen, wie sie sich selber auf die Schulter klopfen,

41:33

weil sie das gut hingekriegt haben. Aber eigentlich

41:35

habe ich ihnen nur erzählt, was sie hören wollten.

41:36

Also da sind wir ja beim Maskieren.

41:38

Ja.

41:40

Und bei den Psychotherapeuten war es halt wirklich so,

41:43

dass ich gesagt habe, ich habe so eine

41:45

Unordnung. Und dann sagt er, ja, die habe ich auch.

41:46

Dann nimmst du deine Quittung

41:48

und legst sie alle in den Schuhkarton und ich bringe

41:50

die dann zum Steuerberater und

41:52

solche Sachen. Das hat mir damals da sehr

41:54

geholfen. Vor allen Dingen, weil er auch so offen war

41:56

für meine Sachen. Also ich weiß, dass zum Beispiel

41:59

manche Psychotherapeuten ein

42:00

Problem damit haben, wenn ich

42:02

mit etwas komme und sage, ich glaube,

42:05

ich habe das. Es gibt immer noch welche,

42:07

Gott sei Dank nicht mehr ganz so

42:08

viele, aber es gibt immer noch welche, die

42:10

mir dann erzählen, dass sie das ja viel besser wissen,

42:12

was mit mir los ist. Ja, genau.

42:14

Aber das ist ja auch so

42:16

ein typisches Lehrer-Ding.

42:16

Du kriegst, also ich hatte

42:19

mal eine Lehrerin, die hat immer gesagt, bei mir

42:20

kriegst du keine Eins, weil

42:22

dann könntest du das ja genauso gut wie

42:25

ich und das kann ja gar nicht sein.

42:27

Oh. Okay.

42:29

Speziell.

42:30

Ich glaube, ich war auch sein erster ADHS-Patient.

42:33

Danach wurden es mehr.

42:34

Weil der

42:35

dann nämlich auch Kontakt, lustigerweise Kontakt

42:38

mit diesem Sozialarbeiter aufgenommen hat

42:40

und die dann sich auch ausgetauscht

42:43

haben und zusammengearbeitet haben. Er hat hinterher

42:44

gerne ADHS-Lager gehabt. Das weiß ich noch.

42:46

Aber ich war sein erster

42:49

und dann musste ich

42:50

irgendwann wechseln, weil er

42:52

nur noch privat macht.

42:56

Aus dem ganz

42:56

einfachen Grund, er hatte auf dieses ganze digitale

42:59

Graben keine Lust mehr. Er war auch schon älter.

43:01

Dann war ich bei einem, der hat

43:02

das einfach so fortgeführt, würde ich sagen.

43:05

Und jetzt bin ich ganz froh.

43:06

Jetzt habe ich einen gefunden, der da so

43:08

richtig Spezialist ist. Wir hatten bisher nur

43:10

einen Termin, aber ich habe

43:12

im ersten Termin schon schnell gemerkt,

43:15

der weiß mehr,

43:16

wovon wir reden.

43:18

Der wird auch noch Dinge tun, die mir nicht gefallen,

43:20

weil er sagte, naja, Bluthochdruck und

43:22

Medikament, finde ich dann nicht so gut. Müssen wir

43:24

vielleicht nochmal drüber reden.

43:27

Aber

43:28

schauen wir mal. Also

43:30

hauptsächlich war es ja so die letzten Jahre,

43:32

ich habe meine Verschreibung gekriegt,

43:35

bin damit zur Apotheke

43:36

und musste mich regelmäßig melden,

43:38

so ist alles gut oder nicht.

43:41

Ich habe ja auch tatsächlich

43:42

relativ viel alleine

43:44

hingekriegt und bin mittlerweile,

43:46

das ist ja,

43:46

etwas, was immer schön ist.

43:48

Ich war ja die ersten

43:50

30 Jahre meines Lebens hauptsächlich

43:52

arbeitslos

43:53

oder in irgendwelchen Zeitarbeiten

43:56

meist nicht lange, weil

43:58

ging nicht so gut. Und dann mit

44:00

dieser Diagnose habe ich halt

44:02

diesen Turn gekriegt und habe dann

44:04

geschafft, Depressionen erstmal weg, wichtig,

44:06

sonst wird nämlich gar nichts.

44:10

Und dann

44:10

mit dieser ADHS-Diagnose

44:12

habe ich dann so nach und nach erkannt,

44:14

was kann ich eigentlich und wo bin ich gut?

44:16

Und auch dann war es

44:18

nochmal schwierig tatsächlich, weil ich habe

44:20

nie lang genug gearbeitet, um eine Reha

44:22

zu machen über eine Rentenversicherung beruflich.

44:25

War nicht möglich.

44:27

Und beim Arbeitsamt

44:28

war ich immer bei psychologischen Gutachten

44:30

und ich kann mich sehr gut an eins erinnern,

44:33

wo er dann wieder die Ergebnisse

44:34

hatte und ich dann irgendwann mal trotzig,

44:36

wie das so als ADHSler sein kann, gesagt habe,

44:39

wenn ihr nicht fragt, was ich kann,

44:41

dann werden wir es auch nicht rausfinden.

44:43

Und da kam dann die Frage,

44:45

ja, was können Sie denn?

44:46

Und dann kamen wir darauf, dass ich Webseiten

44:49

baue, was mit Computern mache und

44:50

der hat mir damals sehr geholfen,

44:52

weil er das Arbeitsamt festgesetzt hat.

44:54

Er hat gesagt, Herr Sander ist nur noch in Computerberufe

44:56

zu vermitteln und

44:58

damit waren im Arbeitsamt aber auch die Hände gebunden,

45:01

weil das ging ohne Ausbildung nicht mehr.

45:03

Und ja, ich habe dann hinterher tatsächlich

45:04

aber noch drei Jahre gebraucht, um

45:06

die Umschulung beim Arbeitsamt durchzukämpfen.

45:08

Ich musste die erst mit ihren eigenen Mitteln

45:10

schlagen, immer wieder psychologische Gutachten,

45:12

die immer wieder sagen, es geht nur das.

45:15

Das wäre aber auch nicht

45:16

gegangen mit einer Depression.

45:18

Das ist ja genau der Punkt.

45:20

Und das finde ich auch unser Gesundheitssystem übrigens

45:22

lustig. Da muss ich nochmal stark kritisieren.

45:24

Wenn du bedenkst, wie schwer du

45:26

an einen Termin kommst bei Psychiatern

45:29

und dann überlegst, dass

45:30

depressive Menschen oder psychisch kranke Menschen

45:32

ja oft gar nicht in der Lage sind, das so

45:34

strukturiert durchzuziehen

45:36

und gerade bei einer Depression du schnell denkst,

45:38

ja, dann kann man mir halt nicht helfen, dann ist das

45:40

schwierig. Also heute gehe ich so weit, hätte ich

45:42

keinen Psychiater gefunden, hätte ich mich ganz schnell

45:44

wieder zu einem Fall gemacht,

45:46

der dann offiziell in die Klinik muss, dann wäre ich

45:48

da reingegangen, hätten wir beide festgestellt, da gehöre

45:50

ich ja gar nicht mehr hin. Und danach

45:52

hätte ich die psychische Institutsambulanz

45:54

benutzen dürfen, die einen Termin hatten,

45:56

die hätte ich aber vorher nicht benutzen dürfen.

45:58

Ja, das System ist sehr

45:59

marode.

46:03

Ich glaube, es ist

46:04

schwierig, gerade für die Betroffenen,

46:06

weil ich immer denke, wenn du nicht mehr

46:08

viel kannst

46:08

und nur wenig in der Lage bist, dann

46:12

bleibt dir wirklich nur, es so weit zu eskalieren

46:14

zu lassen, bis du in die Klinik musst.

46:16

Und wenn du eine Situation hast,

46:18

wie bei dir, die ADHS,

46:20

und es klassifiziert sich noch eine

46:22

Depression, war es bei dir, meine ich,

46:23

dazu, dann ist es ja auch wichtig, dass die

46:26

erstmal im Fokus steht, die muss erstmal

46:28

sauber sein wieder, bevor man

46:30

an die ADHS geht letztendlich.

46:32

Da kann ich immer einen guten Tipp mitgeben aus meinem

46:34

Leben, das waren nämlich zwei Dinge, die ich

46:36

gelernt habe für mich, die ich mir klar machen musste.

46:39

Das erste war für mich

46:40

zumindest, Veränderung fühlt sich immer

46:42

falsch an. Das war ein ganz wichtiger

46:44

Kram, den ich selber hatte, nachdem ich mir das

46:46

klar gemacht habe, fiel es mir leichter.

46:49

Und ich habe

46:50

ziemlich lange gebraucht, bis ich

46:52

das richtige Antidepressivum hatte.

46:55

Das war mir vorher auch

46:56

nicht klar. In der ersten Therapie war es so,

46:58

ich habe eins gekriegt, das müsste ja eigentlich wirken.

47:01

Also bin ich davon ausgegangen,

47:02

das hat richtig gewirkt. Heute kann ich

47:04

sagen, nö. Das hat nämlich nur dazu

47:06

geführt, dass mir alles scheißegal war. Das war aber

47:08

gar nicht das Ziel. Und irgendwann

47:10

war es bei mir, wenn

47:11

da Faxin, das passte ganz gut auf meine

47:14

Schiene. Aber das,

47:16

muss man sich auch klar machen, dass es auch jetzt mal

47:18

schlimmer werden kann und dass man mehrere

47:20

Präparate braucht. Das hatte man mir am Anfang

47:22

nicht gesagt. Und ich glaube,

47:24

deswegen bin ich ganz früh davon ausgegangen,

47:26

ja, wenn das nicht wirkt, dann kann mir ja auch

47:28

wieder nichts helfen.

47:30

Ja, und diese Aufklärung, die ist so wichtig.

47:32

Dieses Verstehen, was passiert denn da überhaupt?

47:34

Warum, wieso, weshalb?

47:36

Das ist zumindest mir ganz, ganz heilig,

47:38

das immer wieder zu erklären. Und warum

47:40

und jetzt hier und das und dies und jenes.

47:42

Egal, worum es jetzt geht.

47:45

Einfach,

47:46

damit der Klient weiß,

47:48

was passiert denn da eigentlich?

47:50

Dieses Nachvollziehen, weil es ist ja Nachvollziehen,

47:52

was du beschreibst. Dann habe ich

47:54

das mit der Veränderung, habe ich dann verstanden.

47:56

Ah, dann konnte ich besser damit umgehen.

47:58

Und genau darum geht es ja letztendlich.

48:00

Genau, dann konnte man es auch akzeptieren, dass es sich falsch

48:02

anfühlt, weil man dann rausgefunden

48:04

hat, ja okay, das ist so.

48:06

Das ist aber eigentlich, wenn man es logisch

48:08

betrachtet, wieder ganz logisch, weil wir sind ja

48:10

schon Geschöpfe, die gerne

48:12

so bleiben möchten, wie sie sind.

48:14

Und wenig Veränderungen

48:16

mögen. Und alles, was wir

48:18

nicht kennen, lehnen wir zumindest

48:20

unterbewusst oft erstmal ab.

48:22

Es sei denn, es spielen Liebesgefühle

48:24

oder sowas mit drin, dann sind wir geisteskrank.

48:26

Aber ansonsten

48:27

passt das schon ganz gut.

48:29

Und zeigt aber wieder, wie wichtig eigentlich diese Kombi

48:32

ist aus Medikation

48:34

und Psychotherapie dann.

48:36

Sind wir ja beim Stichwort.

48:38

Dein Part daraus ist ja

48:40

Psychotherapie.

48:42

Gibt es da spezielle Anwendungen,

48:45

spezielle Bereiche,

48:46

wo du da reingehst? Also spezielle Methoden

48:48

auch, die du anwendest?

48:49

Bei mir ist es ja eher immer zufällig, dass

48:51

wir auf diese ADHS-Geschichte stoßen,

48:54

weil die Menschen mit was ganz anderem

48:55

herkommen. Bleiben wir mal bei dem

48:57

Mutterbeispiel vorhin zum Beispiel.

49:00

Die dann zum Beispiel kommen,

49:02

weil sie sich einfach überfordert

49:04

fühlen und leicht denken, sie

49:06

machen irgendwas falsch, sich

49:07

ja einfach in ihrer Rolle nicht

49:09

ankommen oder das Gefühl haben,

49:11

ich kriege nichts auf die Reihe, ich versage

49:13

total und ähnliches und dann

49:16

rutschen wir da eigentlich so ein bisschen

49:17

zufällig in die Richtung. Ich stelle

49:19

diese Diagnose auch nicht, ich verweise

49:21

an entsprechende Stellen, wo

49:24

dann eine Diagnose gestellt

49:26

wird eben und wo dann...

49:27

Also du gibst erstmal nur einen Rat,

49:30

dass du vielleicht darauf machst.

49:32

Ich weise darauf hin, dass ich der Meinung

49:33

bin, dass hier eine ADHS vorliegt, nach

49:35

meinem, nach meiner

49:37

Diagnostik quasi und

49:39

verweise darauf, dass sie eben zu einem

49:41

Facharzt gehen sollen, um sich richtig

49:44

diagnostizieren zu lassen, also

49:45

kassenärztlich quasi

49:47

und dann auch, wenn die das wollen,

49:49

eine entsprechende medikamentöse

49:51

Unterstützung kriegen, weil sie halt einfach

49:53

manchmal meistens

49:55

mega wichtig ist.

49:57

Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der total

49:59

für Medikation ist, aber in

50:01

manchen Sachen geht es halt nicht anders,

50:03

wie bei deiner Depression zum Beispiel.

50:05

Es gibt

50:07

halt Punkte im Leben, da geht es

50:09

nicht anders und dafür sind sie ja auch da,

50:11

um zu helfen und um zu unterstützen.

50:14

Was wir dann eben noch

50:15

begleitend machen, sind eben diese ganzen

50:17

Randgeschichten, die dann kommen.

50:19

Die Edukation zum Beispiel, diese Erklärung,

50:21

was passiert da und so weiter und so fort.

50:23

Wir arbeiten Dinge auf

50:25

aus der ganzen Kindheit,

50:27

diese ganzen Glaubenssätze, was wir

50:29

vorhin schon hatten mit den Du-Botschaften,

50:31

die zu Ich-Botschaften werden, die zu meinen Glaubenssätzen

50:33

werden, die dazu führen, dass ich bestimmte

50:35

Muster habe, wie verhalte ich mich, warum,

50:37

wieso, weshalb.

50:39

Sich selber finden,

50:41

sich selber wahrnehmen, sich selber kennenzulernen,

50:43

eigene Grenzen setzen,

50:45

Punkt, Punkt, Punkt.

50:46

Das könnte man jetzt hier noch

50:48

ganz weit ausbauen.

50:51

Kommt auch immer ein bisschen drauf an, was der

50:53

Mensch auch will. Das Wichtige ist,

50:55

ich will mich verändern oder ich möchte eine

50:57

Veränderung und dazu sind die auch

50:59

eigentlich alle bereit.

51:00

Du musst halt immer gucken, wie lange es dauert. Ich weiß,

51:02

dass bei mir diese Phase, dieses,

51:05

was man ja auch hat, dieses, was hätte ich

51:07

alles tun können, wenn ich gewusst

51:09

hätte, dass ich das habe,

51:11

die war nur kurz.

51:12

Weil ich sehr schnell nach dem Motto gelebt

51:15

habe, hätte, hätte, Fahrradkette.

51:17

Ich arbeite in meiner Praxis mit

51:19

Schwerpunkt Trauma und auch

51:20

kognitive Verhaltenstherapie und das ist für mich

51:23

eine schöne Kombi,

51:24

nervensystemorientiert zu arbeiten mit eben

51:26

den Skills der Verhaltenstherapie

51:29

und jetzt habe ich den

51:30

Faden verloren.

51:33

Ach so, doch, jetzt kommt er wieder.

51:35

Da ist er, da ist er.

51:36

Der Faden.

51:38

Mein Schwerpunkt ist ja hier von meinen

51:40

Ansätzen traumatherapeutisch

51:43

und verhaltenstherapeutisch und das kombiniert,

51:45

das spüre ich gern und wenn wir dann mal

51:46

zurückblicken, was diese

51:48

Menschen in ihrer Kindheit für

51:50

einen leidvollen Weg einfach hatten, dann

51:52

haben wir da eben auch Traumatisierungen

51:54

dabei, die eine Rolle spielen.

51:57

Menschen, die sich wirklich

51:58

zurückgezogen haben, die sich abgekapselt

52:01

haben irgendwann, die Probleme

52:02

haben, Freundschaften zu knüpfen,

52:04

zum Beispiel, hatten wir vorhin, ne, Freundschaften

52:06

auch zu halten und solche Sachen.

52:09

Das machen wir dann hier.

52:11

Und das finde ich auch eine sehr

52:12

wichtige Arbeit, ehrlich gesagt.

52:14

Ja, garantiert. Also es ist schon so,

52:17

ich gebe diesen berühmten

52:18

Spruch, den finde ich ganz gut, da steht

52:20

so, ich habe es jetzt wirklich versucht

52:22

mit den Menschen, ich möchte jetzt

52:24

wieder zurück auf meinen Heimatplaneten oder ich möchte

52:26

jetzt wieder abgeholt werden. Das beschreibt

52:28

es ganz gut, wie man sich oft

52:30

gefühlt hat, manchmal noch

52:32

fühlt. Ich habe es relativ selten, weil ich mich

52:34

ja gut akzeptiert habe, aber es gibt auch diese

52:36

Momente noch, wo ich das Gefühl habe, ich passe

52:38

hier so überhaupt gar nicht rein.

52:40

Dieses Gefühl als

52:42

Kind und Jugendlicher, das

52:44

war nicht

52:46

unbedingt gut. Dieses

52:48

ständige, ja, du gehörst nicht dazu

52:50

und das passt doch alles nicht. Du denkst

52:52

anders als diese Leute, du nimmst ja auch

52:54

anders wahr und

52:56

ja, vor allen Dingen,

52:58

ich glaube gerade so in diesen Situationen,

53:00

wo es irgendwie Druck gab,

53:02

gab es dann auch mal so kleinere

53:04

Ausraster. Also du

53:06

erlebst mich ja heute eher als den

53:08

Sprüche-Klopper. Gute Laune-Bären

53:10

ist auch ein guter Laune-Bär.

53:12

Ja. Theoretisch

53:14

bin ich das auch. Ich meckere nur tatsächlich.

53:15

Das ignoriere ich.

53:17

Vor allem, wenn du mich anmeckerst.

53:19

Ja, das darfst du auch nicht persönlich nehmen. Es sind auch immer Momentaufnahmen.

53:22

Das ist auch was, was ich gelernt habe

53:24

zwischen mir und anderen Menschen.

53:26

Wenn ich jemandem sage, du bist doof,

53:28

dann finde ich den gerade in dem Moment doof.

53:30

Nur in dem Moment. Der andere

53:32

versteht aber oft gegenüber, dass ich ihn immer

53:34

doof finde. Das ist aber

53:36

gar nicht der Punkt, sondern er hat mich gerade in dem Moment

53:38

vielleicht ein bisschen genervt und ich hab's gesagt.

53:40

Also ich kann dir sagen, wenn ich dir sage, du bist doof,

53:42

dann finde ich das immer.

53:44

Das stimmt nicht.

53:46

Nett.

53:47

Ich hab dir schon mal im Büro gesagt, einer von uns

53:50

beiden ist klüger als du.

53:52

Ich weiß heute noch nicht, wen du meinst.

53:54

Die Kinder lernen ja natürlich auch durch diese

53:56

Ablehnung,

53:58

nennen wir es einfach mal,

54:00

sich irgendwo anzupassen.

54:01

Ihre Symptome zu verschleiern,

54:04

sie unterzugraben und wenn

54:06

der Erwachsene sitzt,

54:08

dann vielleicht nicht mehr ganz so hibblig, sondern

54:10

wippt nur noch mit den Zehen im Schuh oder so was.

54:12

Das sind ja so klassische Beispiele.

54:15

Das kriegen

54:16

die dann irgendwie hin und auch

54:18

das macht eine Diagnostik ja nochmal schwierig,

54:20

weil ja auch alles, was erstmal

54:22

neu ist oder aufregend ist,

54:24

kann man sich ja gut drauf

54:26

konzentrieren. Ich weiß nicht, wie das,

54:27

kannst du das bestätigen?

54:29

Ja. Und dann sitzt jetzt derjenige bei

54:32

einem Diagnostiker, wer auch immer das ist

54:34

und dann zappelt der da gar nicht

54:36

rum oder ist gar nicht abgelenkt

54:38

oder ähnliches.

54:38

Genau.

54:40

Und das macht es halt auch wieder,

54:42

schwierig. Und dann gibt es auch wieder die

54:44

Menschen, die dann sagen, ja, ich war ja schon beim

54:45

Diagnostiker, ein Termin

54:47

und er hat gesagt, hab ich nicht.

54:50

Und so schnell, das ist zumindest meine Erfahrung,

54:52

so schnell geht es halt oft gar nicht,

54:54

sondern es ist ein längerfristiger

54:55

Prozess. Ich weiß noch, bei meiner Diagnostik

54:58

habe ich gesagt, wir kriegen ein Problem, weil ich habe

54:59

hier richtig Bock drauf.

55:03

Okay.

55:04

Hast du das schon mal in deinem Arbeitsleben

55:06

gesagt?

55:07

Ja, doch.

55:10

Aber meist rührte daraus, dass ich

55:11

neue Arbeiten hatte, die ich nicht haben wollte.

55:13

Das machst du nicht mehr.

55:15

Ja. Ja, also diese

55:17

Diagnostik-Situation war auch so, dass ich da ja

55:19

lange drauf gewartet hatte tatsächlich

55:21

und ja schon so weit war,

55:23

dass ich eigentlich schon wusste, was mit mir los ist

55:25

und nur dieser Schritt gefehlt hat,

55:28

die Diagnostik zu haben, weil ohne

55:29

die keine Medikamente, zumindest

55:31

nicht die, die WTM sind,

55:33

also Betäubungsmittel.

55:35

Und dann sitzt du halt da.

55:37

Dann freust du dich schon drauf,

55:39

kannst das alles ganz gut reflektieren

55:41

schon.

55:41

Und das ging aber

55:43

hinterher ganz gut. Also man ist auch nochmal nervös,

55:45

bevor man dann Diagnostik, man fährt ja wieder

55:47

nach den zwei Tagen und weiß erst mal gar nichts.

55:49

Zumindest war es damals noch so. Dann hat es glaube ich

55:51

noch drei Wochen gedauert, bis ich einen Termin

55:53

hatte, wo ich wieder hin musste

55:55

und mir dann gesagt hat, ja,

55:57

wir glauben, es ist das Wahrscheinlichste,

55:59

dass sie ADHS haben. Und in dem Moment habe ich gedacht,

56:01

wie das Wahrscheinlichste. Aber es ist

56:03

ja eine Ausschlussdiagnose. Das habe ich hinterher

56:05

verstanden. Also, aber in dem Moment

56:07

habe ich gedacht, hä?

56:09

Was denn jetzt? Sind wir uns sicher oder nicht?

56:11

Genau, es gibt so viele

56:13

Differenzialdiagnosen da.

56:16

Es ist einfach schwierig.

56:18

Gerade auch das Thema

56:19

Persönlichkeitsstörung dann, die ja auch von

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früh an da ist.

56:24

Wobei der ADHSler

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mehr in der Lage ist, auch zurückzutreten

56:28

und zu erkennen, das ist ein Problem

56:30

für mich. Und das macht derjenige

56:32

mit einer Persönlichkeitsstörung nicht.

56:34

Mal bei der Impulsivität

56:36

oder so, da sind dann eigentlich immer die anderen

56:38

schuld. Und das ist bei dem

56:40

ADHSler eigentlich nicht so.

56:41

Genau, die Impulsivität hatten wir gerade,

56:44

wenn wir so schön sind, beim letzten Podcast.

56:46

Also so schön ruhig, wie Pierre da gerade sitzt.

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Und man nichts beisteuern kann.

56:50

Beim letzten Mal ging es um Marathon-Sport.

56:52

Das war zwar meine Idee,

56:54

aber damit habe ich halt wirklich gar nichts

56:55

so am Hut. Und

56:57

ich war definitiv das störende

57:00

Element.

57:01

Kein Schütz.

57:03

Weder bestätigen noch dementieren.

57:05

Als ich mir die Aufnahme angehört habe, habe ich festgestellt,

57:08

dass ich

57:08

die Gästin Ina nicht mal,

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weil ich richtig Hallo sagen habe.

57:13

Da habe ich schon reingelabert.

57:15

Das ist auch typisch ADHS.

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Das war Teil 1

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unseres ADHS-Zweiteilers

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mit Therapeutin Stefanie Feist.

57:28

Wenn du dich in manchen

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Punkten wiedererkennst,

57:31

du bist damit nicht allein.

57:33

Und nein, das heißt nicht automatisch

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ADHS. Aber es

57:37

kann ein sinnvoller Anstoß sein,

57:39

genauer hinzuschauen.

57:41

Wenn du das schon spannend fandest, dann

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bleib unbedingt dran. Nächste Woche

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geht's weiter mit Teil 2.

57:48

Also Abo dalassen,

57:50

Folge speichern, gern teilen.

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Und dann hören wir uns nächste

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Woche wieder. Bis dahin,

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mach's gut und bleib

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neugierig.