Willkommen bei Sperr, Sascha und Pierre. Äußerst redselig.
Heute ist Premiere. Nicht, weil wir zum ersten Mal einen Gast haben, sondern weil Sperr zum ersten Mal unterwegs ist.
Wir sind in Wolfenbüttel und sprechen mit Therapeutin Stefanie Feist über ADHS.
Sascha ist selbst betroffen und erzählt offen, wie sich das im Kopf und im Alltag anfühlt, früher und heute.
Gemeinsam sortieren wir typische Anzeichen bei Erwachsenen, warum ADHS oft spät erkannt wird und warum Diagnostik so wichtig ist.
Hinweis, das hier ersetzt keine Diagnose oder Therapie. Es ist ein Gespräch zum Verstehen und Einordnen.
Hier ist Teil 1 unseres Zweiteilers. Auf geht's!
Guten Tag, Sascha. Hi.
Hallo.
Da sind wir wieder.
Da sind wir wieder.
Das stimmt.
Und wir sind unterwegs.
Ja.
Wir haben Premiere.
Mit vielen Dingen auch heute. Wir haben heute mit vielen Dingen Premiere.
Ja. Wir sind schon ziemlich, finde ich, auch semi-professionell ausgestattet.
Ich bin auch schon ziemlich arm jetzt.
Mit Essen ist diesen Monat nicht mehr so viel, glaube ich.
Ist auch nicht mehr so lang.
Ganz sei Dank.
Ja, wir sind heute zu Gast. Wir haben uns selbst eingeladen, beziehungsweise es wurde uns auch aufgemacht.
Bei Stefanie Feist. Hi.
Hi.
Hallo.
Stefanie Feist ist Therapeutin. Oder am besten machen wir es so, du stellst dich einfach selbst ein bisschen vor.
Du weißt, Podcast ist so, du redest, wir reden.
Meistens redet Sascha dazwischen.
Ja, was wollt ihr wissen?
Was wollt ihr wissen?
Verstehe ich nicht.
Alles Mögliche.
Ich heiße Stefanie Feist, hast du schon gesagt. Ich bin 41. Ich wohne seit 2009 in Wolfenbüttel und komme eigentlich aus Fulda.
Bin verheiratet, habe zwei Kinder.
Ich habe meine Praxis schon angemacht.
Schon einige Jahre. Ich habe früher mal lange sehr studiert.
Ein Dreierfach studiert und habe dann in einem Unternehmen gearbeitet.
Und mit den Kindern bin ich eigentlich in die Selbstständigkeit gerutscht.
Ich habe hier meine Therapeutenpraxis, Schwerpunkt Psychotherapie und mache halt eben diverse Bereiche gerne.
Und da zählt eben auch die ADHS dazu, worum es ja heute gehen soll.
Da es ja auch um ADHS geht, hat Sascha gleich gesagt, das wäre doch mal was.
Wer ist denn dieser Sascha?
Du dauernd.
Ich meine, wunderbar. Scheint heute alles zu wirken bei dir?
Oder ist es einfach, weil du noch Wasser im Mund hast?
Ich bin heute nur auf 20 Milligramm und dürfte mir mal so zugehört, was du dir da so aus den Fingern saugst.
Ja, du hast es erwähnt, du bist Therapeutin für verschiedenste Bereiche.
Ich habe mich spezialisiert auf Kinder-, Jugend- und Familientherapie.
Das war mal mein Fokus.
Hyperfokus ist mein Fokus eigentlich.
Ich habe aber auch andere Klienten.
Die damit gar nichts zu tun haben.
Aber das ist schon so mein Schwerpunkt.
Wenn wir auf die ADHS gucken, sind es gerade im Erwachsenenbereich oft Erwachsene,
die im Erwachsenenalter erst diagnostiziert wurden und eigentlich wegen anderen Themen zu mir gekommen sind.
Nämlich diese ganzen Subgeschichten, die sich eventuell dazu ergeben, wenn eben eine ADHS nicht erkannt wird.
Also ich hatte zum Beispiel, wenn wir da gerade sind, bei mir waren es Depressionen, die hatte ich ganz lange.
Allerdings haben sie in der ambulanten Tageszeitung,
wo ich schon mal viel früher war, gar nichts davon gewusst.
Sondern die Erkenntnis kam durch Zufall.
Denn ich hatte eine Freundin, die auf verschiedenen Gründen in die Psychiatrie musste.
Und als sie wieder rauskam, hat sie einen Sozialarbeiter in die Hand gekriegt.
Ich glaube, er war vom Landkreis damals.
Und der war ADHS-Betroffener.
Sie wollte mit ihm nicht reden.
Also redet er mit mir und sagte so nach fünf Minuten.
Falls du überlegst.
Was du hast, das könnte ich dir sagen.
Oh wow, okay.
Und dann war es auch erstmal so, trotzdem, dass ich ja eigentlich einen sozialen Hintergrund habe.
Also ich habe ursprünglich mal Kinderpfleger gelernt.
Also der typische Kindergärtner.
Der hat dann aber nicht gearbeitet.
Man muss sagen, da war in der Ausbildung, ist ja auch nur von 0 bis 6, ADHS kein Thema.
Und auch ich habe gedacht, so was viele denken.
Ja, das sind die Leute, die Aufmerksamkeit suchen und auffallen.
Und musste dann auch erstmal viel lernen.
Und bei mir war es auch dieser Zufall, so circa mit 30, wo ich es erfahren habe.
Ja, das ist schon spät, wenn man überlegt, was trägt so ein Mensch sein Leben lang mit rum.
Was das für eine Belastung ist halt auch.
Ja, und hinterher auch was für eine Erkenntnis, wenn man das dann erkennt.
Weil wir hatten so typische Fälle.
Man hat ja immer, wenn man die Diagnose macht, hat man ja auch immer den Punkt,
dass man von früher gucken muss.
Es muss ja in der Kindheit da gewesen sein.
Und wir hatten immer den Punkt, dass meine Mutter sich immer gut erinnern konnte,
dass sie sich tierisch aufgeregt hat, wenn sie gefragt hat, warum kannst du das denn nicht?
Das kann doch jeder andere auch.
Und meine Antwort, weiß ich nicht.
Und dann war sie halt noch saurer als vorher, weil sie das nicht vorstellen konnte.
Das hat sie letzte Woche übrigens auch erst gesagt.
Letzte Woche hat sie gesagt, sie kann das mittlerweile alles gut akzeptieren.
Verstehen wird sie es nie alles.
Aber mehr würde ich auch nicht verlangen.
Kannst du, glaube ich, auch nicht.
Wenn du nicht selbst betroffen bist.
Vielleicht sollten wir kurz mal sagen, was ADHS eigentlich bedeutet.
Das weiß vielleicht gar nicht jeder.
Wie ist es für dich?
Also in der ICD-10 oder generell ist es ja das Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivitätsstörung.
Ist ja ein komplizierter Name.
Gibt ja auch noch die Subvariante mit ADS.
Aber das meiste ist ja, oder oft ist es ja ADHS.
Und das ist ja in unserem Fall jetzt hier auch so, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ja, also ich habe den Mischtypus.
Der ist ja der häufigste im Moment.
Es ist mal so, mal so.
Ja, also ich mag gerne die Synonyme, die es so gibt.
Es gibt ja auch noch so dieses, dass man aus ADHS gemacht hat, anders denken, hören, sehen.
Das finde ich auch immer ganz gut.
Wobei, ich glaube, dass das eigentliche Ding ist, dass man immer allen erklären muss, was das ist.
Und dann dieses typische, ja, das habe ich auch.
Aber halt anders, weil die haben es mal und nicht immer und solche Dinge.
Aber ja, sonst ist, ich bin der Mischtypus.
Ich stelle bei mir, ja, die hyperaktiven Phasen nicht mehr so oft fest.
Allerdings gibt es so Situationen, ich war zum Beispiel beim Arzt im Wartezimmer und irgendwann kam mal jemand und sagt, ist alles in Ordnung?
Weil da habe ich wohl die ganze Zeit mit dem Fuß schon gewippt.
Da war es dann da, die innere Unruhe.
Die Unruhe und die Hyperaktivität.
Aber sonst war es eher gemischt.
Ich würde sagen, zu Hause als Kind zum Beispiel war ich durchaus hyperaktiv.
In der Schule habe ich mich weggeträumt.
Da bin ich überhaupt nicht aufgefallen.
Und das ist ja auch eher untypisch für den Männlichen.
Aber da bin ich überhaupt nicht aufgefallen.
Das habe ich einfach an mir vorüber gehen lassen.
Ja, das ist total interessant, weil die Jungs sind mehr die, die eben in dieses Zappelige, nenne ich es jetzt mal in Anführungsstrichen, gehen.
Und die Mädchen eher, die in das Ruhige.
Das Verträumtere, was du gerade sagst.
Ja, spannendes Thema.
Ja, also man konnte aber im Nachhinein, wie das bei vielen so ist, man konnte in den Schulbewertungen schon sehen, dass es eigentlich da war.
Stand immer drin, ich bemühte mich.
Und ich weiß, ein Lehrer war mal total geflasht.
Das war mein Mathelehrer.
Der hat immer so einen Begriff gemacht.
Es gibt Dünnbrettbohrer und Dickbrettbohrer.
Und Sascha ist ein Dünnbrettbohrer.
Der will durch die Zeit.
Die dicken Bretter nicht durch.
Und ich habe im Mathe immer so 4, 5, 6 geschrieben.
Nur in einem Thema, das wieder eigentlich alle anderen gehasst haben.
In der Bruchrechnung hatte ich meine 1.
Und ich weiß noch, wie froh und stolz er war.
Und der dachte, das hat jetzt Klick gemacht.
Und im Nachhinein kam eigentlich raus, das Einzige, was wahr ist, dass mich das interessiert hat und die Rest nicht.
Genau, das ist ja auch oft.
Wenn wir jetzt mal die Kids angucken, dann ist ja ADHS so ein Ding, was gerne in den Raum geworfen wird.
Und jeder, der so ein bisschen unruhiger oder nicht in der Spur läuft, der hat ja klar,
ADHS oder ist auch autistisch oder weiß der Geier.
Und es braucht ja schon eine ordentliche Diagnostik.
Und das weißt du bestimmt auch selber so.
Einfach ist das gar nicht.
Du sprichst von deinen Zeugnissen.
Du hast bestimmt Fragebögen, Fremdfragebögen vielleicht noch und solche Sachen gemacht,
bis das überhaupt mal diagnostiziert wird.
Ich weiß, es geht heute für die, die es nach mir hatten, war es schon leichter.
Ich habe damals sogar noch lange suchen müssen, bis ich überhaupt jemanden finde, der das macht.
Und ich meine, ich war in Göttingen zur Diagnose tatsächlich und musste da auch zwei Tage hin,
weil sie Vergleichstage brauchten.
Und ja, also es ist so, es ist ja auch mal die Ausschlussdiagnose.
Es ist dann immer alles andere.
Aber ja, mit der Diagnose, ich wusste es ja vorher schon, das ist ja bei vielen so,
wenn sie sich damit schon beschäftigt haben, dass sie das eigentlich schon wissen.
Aber man will es nochmal auf dem Papier haben und das eigentlich aus zwei Gründen aus meiner Sicht.
Es gibt die, dazu gehöre ich, die Medikamente nehmen wollen.
Und es gibt aber auch die, die sagen, sie wollen das nicht.
Das ist für mich auch legitim.
Ich weiß, wenn wir gerade bei Medikamenten sind, dass meine Mutter mal sagte,
sie wüsste nicht, was sie hätte tun sollen, wenn es schon als Kind gewesen wäre.
Ich würde heute nach meiner eigenen Erfahrung sagen, man kann es ja ausprobieren
und das Kind selber auch fragen, was es besser und was es schlechter findet.
Es ist natürlich nicht ganz ohne, je nachdem, was man so,
was man nimmt.
Aber ich mache es auch anders als vielleicht andere.
Ich lebe eher mit diesen wiederkommenden Sachen, weil ich meine Medikamente nicht durchnehme.
Also ich sage mir, es gibt Tage, da nehme ich sie, weil ich das Gefühl habe,
ich brauche sie jetzt auch und brauche die Konzentration.
Oder was ich mal zu meinem Psychiater gesagt habe, ist dieses, wenn ich die jetzt nicht nehme,
dann verlasse ich sie.
Meine Arbeitsstellung kommt nicht wieder, weil ich das nicht durchhalte.
Wenn ich sie genommen habe, schaffe ich es aber tatsächlich, diesen Tag da auch in der Monotonie,
wenn sie mal da ist, durchzuhalten.
Aber die Pharmakotherapie ist ja ein wesentlicher Bestandteil der ADHS-Therapie.
Also 50-50.
Die Psychotherapie ist genauso wichtig.
Und das ist ja das Schöne bei den Erwachsenen.
Sie können selber entscheiden, nehme ich das oder welches Medikament auch immer
oder nehme ich es halt eben nicht.
Oder wie du das machst.
Individuell halt gucken, was der Tag so bringt und brauche ich es oder nicht.
Und das ist ja auch das Schöne wieder.
Ich nehme das Medikament und es wirkt direkt.
Und ich merke auch, wenn es wieder aufhört zu wirken.
Ich rede jetzt von ich.
Ich habe kein ADHS, aber so ist es ja.
Genau.
Und es hört ja wieder auf zu wirken.
Und in der Praxis ist es auch eigentlich die Empfehlung,
wenn Menschen das immer durchnehmen, einmal im Jahr zu sagen,
ich nehme es mal nicht, um zu gucken,
ob diese Symptome überhaupt noch persistieren.
Oder ob es sich vielleicht verändert hat für mich.
Warum auch immer.
Weil auch die Psychotherapie hat natürlich das Ziel,
was zu verbessern, was zu bezwecken.
Und dafür ist es super, dass es überhaupt solche Mittel gibt,
um da eine Unterstützung zu schaffen.
Und für viele ist es eine extreme Erleichterung.
Ja, das war es.
Also bei mir ging das tatsächlich auch recht schnell,
dass ich akzeptiert habe.
Ich bin ja auch recht offen.
Ich gehe mit dem Thema sehr offen um
und habe für mich irgendwann entschieden,
dass es mir bedingt,
ich will nicht sagen, dass es mir wirklich egal ist,
aber es ist mir bedingt egal,
ob damit jemand umgehen kann oder nicht.
Also ich gehe damit auf meine Arbeitsstelle,
die wissen das.
Ich gehe damit in meinem Freundeskreis um.
Und ich sage das auch recht früh,
weil es zu mir gehört
und ich damit jetzt nicht so ein Problem habe.
Weil ich denke, es müsste mehr tun.
Was ich nicht tue, ist das,
was ich in depressiven Phasen oft getan habe,
bevor ich das wusste,
dass ich anfange, irgendwem meinen helfen zu können.
Das wird nichts und auch keine Diagnose mehr.
Wenn man so dieses ADHS hat,
dann hat man den Frühpaarfokus auf ADHS
und sieht bei Schnellsymptomen,
das könnte ADHS sein.
Das muss es aber nicht immer sein.
Das ist nur, weil ich da den Fokus habe.
Ja, ja.
Und das wird wirklich viel in den Raum geschmissen.
Also ich habe immer mal wieder Anfragen,
wo eben die Vermutung ist von Erziehern aus der Kita
oder von Lehrern,
was ja sicherlich auch nicht böse gemeint ist
oder dem entsprechenden Kind,
der ihnen helfen soll.
Aber es wird schon leichtfertig,
meiner Meinung nach, kommuniziert.
Und das verunsichert die Eltern auch wieder
und auch die Kinder oft.
Und manchmal ist es so und manchmal halt eben nicht.
Ich hatte eine Zeit lang,
als das Thema ADHS damals auch so aufkam,
das Gefühl, als man das im Bekanntenkreis gehört hat
oder auch im Bereich der Kollegen,
ja, dass für alles einfach,
das wurde erst mal alles,
das Kind ist so ein bisschen aktiver
und ist ein bisschen,
ein bisschen lauter vielleicht auch.
Dass immer gleich nach der Erklärung gesucht wurde
und dann ist ja ADHS,
weil man wusste noch nicht so viel darüber.
Aber dass man erst mal,
ADHS ganz bestimmt.
Und es war mir eine Zeit lang auch,
finde ich, zu einfach,
auch in den Erklärungen.
Wobei ADHS ja auch nicht immer ein Problem sein muss.
Nein, nein.
Es gibt welche, die das haben,
die wissen das bis heute nicht
und kommen damit super klar,
weil das Umfeld gestimmt hat.
Aber bei Kindern ist es natürlich,
wenn die beispielsweise,
in der Schule ist es ja schon auffällig,
wenn du da ein Kind hast,
das nicht still sitzen kann,
das vielleicht auch aktiv den Unterricht stört,
weil einfach die Konzentration nicht da ist.
Wenn es dann halt so wie bei dir so ist,
dass du quasi die Schule wegträumst.
Also, dass du da sitzt und ...
War das für mich in dem Fall negativ,
weil man nichts gemacht hat.
Ja, aber du fällst halt nicht auf in der Regel.
Du fällst eher dann durch schlechte Noten auf,
weil du ja dann nicht zugehört hast.
Aber du fällst halt nicht negativ,
auch wie ein Kind,
das aktiv den Unterricht stört.
Genau, und das sind ja dann auch die Menschen,
jetzt mal unabhängig davon,
ob Kind oder schon Erwachsener,
der auffällt und der in der Gesellschaft
eine Form von Ablehnung erfährt.
Du bist zu laut, du störst.
Was haben wir bei Kindern oft?
Du kriegst das nicht hin, du bist dumm,
du nervst oder was auch immer.
Und aus diesen Du-Botschaften
werden dann halt auch irgendwann mal Ich-Botschaften.
Wenn ich das immer wieder gesagt kriege,
werden daraus Ich-Botschaften.
Und dann sage ich mir irgendwann,
ich bin dumm, ich bin zu laut, ich störe.
Und das ist wie eine Brutstätte,
aus der dann irgendwann einfach
andere Krankheiten entstehen können.
Da sind wir dann in dieses Depressionsbild,
wo wir dann reinkommen.
Wenn du natürlich zig Jahre,
zum einen, wenn es dir gesagt wird,
und zum anderen, du es ja auch selber merkst,
was du beispielsweise, warum ich das nicht kann,
warum kann ich das nicht,
warum können das alle meine anderen Kumpels oder Freunde,
da kriegst du halt auch irgendwann die Selbstzweifel.
Ja, genau.
Es wird so Ich-Botschaften.
Es wird so Ich-Botschaften.
Und das wird ja dann auch zu Glaubenssätzen letztendlich.
Das verankert sich.
Und wenn du keinerlei Antwort auch darauf bekommst.
Wie gesagt, zu Zeiten, wo das halt nicht bekannt war,
dass es in der Regel das gibt.
Ich kann mich mal erinnern,
ich hatte eine Kollegin, deren Tochter,
da wurde das mit 16 festgestellt.
Da hat der Kinderarzt immer gesagt,
es ist halt ein lebhaftes Kind.
Und da ist das dann rausgekommen
und bei dir ist es dann auch so,
dass es irgendwann auch relativ stark eskaliert.
Aber dann versuche auch erstmal
so ein 16-jähriges Kind
dazu zu bringen,
die Medikamente zu nehmen,
weil die hat das erstmal abgelehnt.
Okay.
Gibt es aber alle Formen.
Gibt es ja auch die, die nehmen,
was nehmen die Kids?
Medikinet oft, glaube ich, oder?
Medikinet, ja.
Ich glaube meistens Medikinet tatsächlich.
Und merken, oh krass, ich komme voll runter
und ich bin mal nicht so getrieben,
ich bin so oben innerlich und denen tut es richtig gut.
Und das gibt es halt genauso.
Zumindest, ja, ich kann es aus meiner Erfahrung sagen,
der Kopf ist mal stiller.
Erstmal bin ich auch noch nicht ganz still,
aber ich habe das Gefühl,
es hält mal irgendwas in meinem Kopf,
auch die Klappe.
Und ich bin dann nicht mehr so getrieben.
Wenn man sich mal vorstellt,
das ist ja eine chronische Geschichte.
Das ist ja nicht wie,
wenn wir jetzt eine Depression haben oder so,
die in Phasen läuft,
sondern das ist ja ein Dauerbegleiter
und die Kinder kennen,
oder die Menschen kennen sich ja gar nicht anders.
Das gehört ja zu ihnen.
Also ich syntone Geschichte letztendlich.
Die ganze Zeit ist das so.
Die ganze Zeit.
Und das ist schon anstrengend mit Sicherheit.
Ich habe vieles auch erst hinterher verstanden.
Das ist zum Beispiel so,
ich kann Geräusche nicht gut filtern.
Das ist immer dann ein Problem,
wenn wir viele Leute irgendwo sind.
Und früher wusste ich das nicht.
Weil mir gar nicht klar war,
dass andere das vielleicht können.
Woher auch, wenn ich das nicht kann?
Ich dachte, die können damit besser umgehen.
Aber mir war nicht klar,
dass sie das können und ich nicht.
Also ich fiel dann schon auf
und ich falle auch heute auf Arbeit noch auf.
Nur liebt man meine Ausbrüche,
zumindest unter meinen Kollegen.
Ich bin dann wirklich wie so ein Getriebener
und irgendwann werde ich halt wirklich vorlaut.
Mische mich in alle Gespräche ein,
weil ich irgendwie,
ich habe alles mitgekriegt
und irgendwann ist zu viel.
Irgendwann ist halt der Punkt erreicht,
wo es zu viel ist.
Und deswegen freue ich mich ganz doll darauf,
dass wir jetzt in ein Großraumbüro ziehen werden dieses Jahr.
Okay.
Ich habe mir schon mal die Noisecans
in den Kopfhörer rausgepackt,
weil ich glaube,
sonst bin ich unerträglich.
Also das ist,
das wird nicht schön.
Wir waren mal im Kino, ne?
Kannst du dich daran erinnern?
Wir waren öfter im Kino.
Die nehmen uns, ich weiß nicht mehr,
wann es war,
da haben irgendwie,
irgendwelche Kids neben uns permanent gequatscht
und da hast du auch gesagt,
ich raste hier gleich aus.
Ja, ja.
Und das waren um uns rum mehrere,
die permanent irgendwie geredet haben.
Und da hat er auch gesagt,
ich raste hier gleich aus,
ich kriege nichts vom Film mit.
Oder anders,
er kriegt eigentlich alles mit, ne?
Ja, das ist ja das Problem.
Ich kriege alles mit,
was um mich herum passiert.
Das ist aber nicht nur um die Geräusche,
das sind auch...
Unterhaltung und...
Das sind die Bewegungen,
wenn ich die aus dem Fenster sehe,
ich bin jedes Mal raus.
Also auch grundsätzlich eine hohe Sensibilität
wahrscheinlich dann, ne?
Ja.
Es sei denn, wie gesagt,
es kommt der berühmte Hyperfokus,
dann kriege ich gar nichts mehr mit.
Das ist ja immer die andere Seite des Ganzen.
Da bin ich unheimlich produktiv,
da kriege ich wenig mit,
da baue ich in kürzester Zeit irgendwas auf
und wenn es ein Podcast ist...
Gibst viel Geld aus in kürzester Zeit.
Das ist Impulsivität.
Das ist eher wieder schlecht.
Ja.
Ja.
Also,
ich habe mir mal irgendwann die Frage gestellt
und die finde ich gut beantwortet,
von mir,
ob, wenn ich denn dann auch meine Vorteile
nicht mehr so hätte,
wie ich sie jetzt hätte,
ob ich dann mein ADHS abgeben würde
und sagen würde,
dann lebe ich lieber ohne ADHS
und meine Antwort war tatsächlich,
nee, dann lieber mit.
Weil du dich dann nicht vollständig fühlst?
Weil ich einfach auch diese Momente mag,
in denen ich so super gut funktioniere,
in denen ich in meinem Hyperfokus bin.
Das ist ja nicht was,
was immer nur anstrengend ist,
sondern das kann man ja auch richtig genießen.
Und das ist so der Moment,
wo ich dann merke,
dass ich den anderen einen voraus habe.
Also, Pierre hat manchmal die Problematik,
zum Beispiel auch jetzt mit dem Schneiden oder ähnliches,
sowas gucke ich mir an,
bringe es mir so weit bei,
so weit muss ich ehrlich sein,
so wie ich es brauche
und dann kann ich das.
Und dann sage ich,
Pierre, guck, du musst das da und da und da
und dann gehe ich davon aus,
dass er das auch versteht.
In derselben Zeit.
Funktioniert nicht.
Also, da habe ich meinen Vorteil.
Dafür kann Pierre aber besser die monotonen Aufgaben machen.
Und das ist total cool,
dass du das sagst,
weil wenn die Menschen da erstmal ihre Diagnose haben
und haben dann eine entsprechende Edukation dazu,
also verstehen, was das eigentlich ist,
was das bedeutet,
warum reagiere ich,
wie ich reagiere,
können das einsortieren,
fangen die auch an zu erkennen,
was sie für einen Vorteil daraus ziehen können.
Also die andere Seite der Medaille
und den Hyperfokus, den du nennst,
das ist ja so eine Sache zum Beispiel.
Oder diese Kreativität und solche Sachen.
Die sind ja auch sehr empathisch,
die ADHSler nenne ich sie jetzt mal.
Also man spricht,
ich habe viel auf diesem,
viele nennen sich das so eine Art Superkraft.
Ja.
Also bei Kindern ist das ja auch oft so die Erklärung,
das ist jetzt deine Superkraft.
Genau.
Es gibt immer so zwei extremst interessant,
also auch wenn das jetzt nicht hören wollte,
aber hört es ja auch nicht.
Mein Vater ist der ADHS-Teil bei uns in der Familie
und dem fehlt es an Empathie.
Der hat genau das Spektrum,
was ich aber lustigerweise habe.
Ich habe tatsächlich zu viel von dieser Empathie,
kann ich gut mit umgehen mittlerweile.
Dafür kann ich aber oft auch gut einschätzen,
wie Menschen reagieren werden,
weil ich wirklich denke, wie sie denken würden
und nicht wie ich in dieser Situation handeln würde.
Das nutzt meine Mutter mittlerweile,
wenn sie manchmal irgendwie schwierige Kontakte hat,
dass sie sagt, was denkst du denn?
Und das ist ganz lustig eigentlich.
Das ist aber auch sehr hilfreich.
Weil ich auch da bei meinen Mitmenschen,
wo ich sonst Probleme hätte, immer schnell weiß,
ja, da machst du lieber das nicht
oder da sagst du lieber das nicht, sofern das geht.
Wir hatten zum Beispiel mal einen Kollegen,
da habe ich schnell rausgefunden,
geh nicht hin und komm mit Arbeit,
sondern frag ihn erst mal privat, wie es ihm geht.
Genau.
Ihr müsstest ja erst mal so ein bisschen smalltalken.
Hört dir das an? Ist auch egal.
Solange du nicht den Namen nennst.
Sagen wir einfach, man musste am besten anfangen
mit irgendwelchen Bahnhöfen und Zügen.
Jetzt weiß er auf jeden Fall, dass er gemacht ist.
Das war so sein Special Interesse.
Und er mochte nicht, wenn man direkt mit Arbeit kam.
Wenn man aber erst auf der privaten Schiene kam,
dann war alles okay.
Er hat auch gerne was gemacht, das war nicht das Thema.
Aber bloß nicht mit Arbeit ins Zimmer kommen,
dann war man unten durch.
Wobei ich sagen muss, dass das auch immer hilft,
dass man wirklich gut auf Augenhöhe miteinander umgehen kann.
Es ist halt eine sehr individuelle Erkrankung einfach,
die nicht nachfolgt.
Ja.
Und sich auch auf Schema F läuft
und sich bei jedem halt auch anders präsentiert letztendlich.
Ist ja auch ein sehr weites Feld mittlerweile.
Also wenn man dann diese ganzen Subs noch nehmen,
worin das noch alles münden kann.
Du hast ja beim ADHS ein Spektrum.
Genau, ein weites Spektrum.
Genau, du hast immer was, wo wir uns kreuzen werden.
Also ich habe auch in meinem Freundeskreis
tatsächlich immer mal wieder ADHSler.
Teilweise auch auf einem anderen Spektrum.
Es ist aber auch wieder so diese Anziehung.
Weil man weiß sofort, ja, man versteht sich,
man hat ähnliche Denkweisen.
Das funktioniert in der Regel recht gut,
wenn beide Parteien sich dessen bewusst sind.
Wenn das nicht so ist, dann kann es ein bisschen schwieriger.
Aber das ist schon, also wenn ich dann mit denen rumziehe,
ist es so ein bisschen wie nach Hause kommen.
Weil da funktioniert es auch mit den Kontakten so,
weil ich habe halt auch diese typischen ADHS-Problematiken.
Ich vergesse so einen Chat,
wenn ich ihn nicht gleich beantworte oder ähnliches.
Und dann habe ich deswegen,
deswegen habe ich die meisten Freundschaften so in On-Off.
Also man trifft sich und macht genau da wieder weiter,
wo man aufgehört hat.
Und wenn Monate dazwischen liegen,
das kann aber natürlich nicht jeder Mensch,
weil es ist irgendwie auch nicht nett.
Aber mit denen, die ich jetzt habe, funktioniert das gut.
Und dann gibt es so die Freundschaften wie mit Pierre.
Das ist wirklich wie so ein Ehepärchen.
Ich glaube, es gibt keine drei Tage, in denen wir uns ...
Ich weiß manchmal nicht, ob ich mich darüber freue.
Deswegen sitzt ihr hier auch nebeneinander auf meiner Couch.
Ja, wir gehen an der Mauer des Vertrauens.
Ich glaube, es gibt keine drei Tage, in denen wir uns nicht sprechen.
Ja, es gab auch schon mal, da haben wir jetzt eine Woche.
Aber jetzt durch den Podcast sind wir ja wieder ein bisschen zusammen.
Aber ich habe auch eine Freundin mit ADHS
und die macht das tatsächlich auch.
Also dieses in Vergessenheit geraten, sich nicht melden.
Früher hat mich das auch mal echt geärgert, muss ich zugeben.
Aber mittlerweile sehe ich das durch eine andere Brille
und verstehe das und weiß, okay, das gehört halt einfach zu ihr.
Und ich kann das gut annehmen.
Und ich glaube,
wenn man dann so ein offener Typ ist wie du,
der da gar nicht so ein Geheimnis draus macht, dann ...
Genau, da sind wir wieder bei nach der Diagnose
und des Verstehens, worum es ging,
hatte ich die Möglichkeit,
mich endlich selbst zu verstehen und mich zu erklären.
Also es gibt immer Menschen,
die regen mich dann auch auf,
die das halt absolut nicht akzeptieren können.
Aber das ist okay in gewisser Weise.
Wobei ich finde es nicht okay.
Ich muss sie auch akzeptieren, aber ...
Du hast mit Akzeptanz von anderen Menschen
eigentlich ein größeres Problem manchmal.
Ja.
Das ist richtig.
Ja.
Aber diese ...
Jetzt habe ich meinen Faden verloren.
Ja, das macht nichts.
Jetzt weißt du mal, wie das ist.
Dann ist es doch aber wieder schön,
dass wir selber entscheiden können,
welche Menschen wir in unserem Leben haben, welche nicht.
Ich gebe Menschen mittlerweile immer eine zweite oder dritte Chance,
weil ich weiß, mein Fehler funktioniert nicht so gut.
Ich finde immer erst mal was, was ich doof finde.
Und dann habe ich immer noch das schwarz-weiß-Ding,
dann finde ich die erst mal.
Und dann finde ich, das ist doch doof.
Dann mache ich mir selber wieder klar,
das ist mein Filter.
Das ist mein Filter.
Und dann gebe ich zweite und dritte Chance,
weil dieses schwarz-weiß-Denken ist eigentlich ein Problem von mir.
Wir haben das ja bei uns im allerersten Podcast,
den du bestimmt gehört hast,
haben wir das ja schon mal thematisiert.
Ich glaube, wir haben das in mehreren Podcasts schon.
Das als Sascha und ich quasi zusammen in einem Büro gestellt haben.
Also wir kamen aus ganz unterschiedlichen Abteilungen
und dann wurden wir ...
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Wir haben quasi zu einem Team verschmolzen
und ein Büro gesteckt.
Und wir hatten vorher schon immer so ein paar Gespräche
mit unserem damaligen Chef.
Und hinterher irgendwann vor Monaten eröffnete dann Sascha dann,
dass er mich eigentlich richtig blöd fand.
Obwohl er mich gar nicht kannte.
Also nur vom High.
Und dann magst du mir noch die Hand geben
und was wir so vorhaben.
Das ist aber in gewisser Weise normal.
Also auch meine gute Freundin Julia,
die fand ich am Anfang richtig doof.
Ich will schon sagen,
die habe ich überhaupt nicht leiden können.
Und mittlerweile ist sie aber
eine meiner engsten Freundinnen überhaupt.
Also das ist bei mir in gewisser
Weise, ich habe dich erst
mal abgestempelt. Wenn ich dich abgestempelt habe,
habe ich dich abgestempelt.
Und danach gehe ich nochmal in mich und gucke
mir das an aus unterschiedlichen Perspektiven.
Da habe ich
ein bisschen gearbeitet
mit damals
Vera F. Birkenbiel.
Die hat da ganz viel zugemacht.
Allerdings habe ich ihr Angebot
angenommen und das mitgenommen,
was ich für sinnvoll halte
und das gelassen, was ich für nicht
so sinnvoll halte. Aber die hat so ein
Inselprinzip, das fand ich ganz gut.
Jeder Mensch hat so seine
Insel und um den verstehen zu müssen,
muss man Brücken bauen und sonst
ist jeder erst mal egoistisch und doof.
Und das ist schon etwas,
das mir da gut geholfen hat.
Ja und auch jeder
trägt so seine Päckchen.
Vielleicht keine ADHS,
aber dafür irgendwas anderes.
Genau und je nachdem, was wir so machen,
haben wir auch alle völlig unterschiedliche
Realitäten. Also das ist,
jeder lebt so in einer anderen Welt.
Das ist einfach so. Und das kann ich
mittlerweile gut akzeptieren.
Auch wir beide sind in manchen Punkten
ja wirklich sehr unterschiedlich.
Ich würde sogar sagen, in vielen Punkten.
In den meisten.
In allen.
Also ich würde behaupten,
in 75 Prozent
der Punkte sind wir sehr unterschiedlich
und sind auch nicht immer einer Meinung.
Aber wir können,
da ganz gut mit umgehen,
dass wir nicht einer Meinung sind.
Ja, wir haben noch diese Stammtisch-Mentalität.
Genau, das ist ein schönes,
finde ich, ein schönes Bild
zu sagen, was man ruhig denkt,
ohne dass der andere gleich sagt,
ich stehe jetzt auf und gehe.
Sondern wir machen das trotzdem dann.
Es kann schon passieren, dass ich gehe,
aber ich komme wieder.
Wie ist das für dich mit deiner ADHS-Symptomatik,
wenn du richtig Stress bekommst?
Also wenn ich richtig Stress bekomme,
werde ich erst mal, glaube ich,
ein bisschen kopflos.
Und danach gibt sich das aber wieder.
Wo ich, aber auch typisch ADHS,
richtig gut funktioniere,
ist, wenn von jetzt auf gleich irgendwas knallt
und ich muss jetzt sofort einsatzbereit sein.
Das kann ich ganz gut.
Also da funktioniere ich gut.
Das ist ja auch im Job IT
dann wieder sehr praktisch.
Ich hatte mal einen Kollegen,
der hat gesagt, wenn ich nichts zu tun habe,
habe ich alles richtig gemacht.
Das sah aber nur er so und sein Chef nicht.
Aber grundsätzlich,
hat er da nicht ganz Unrecht.
Ja, ich arbeite ja hier viel auch mit Müttern,
Familien, Müttern dann meistens,
wo das ein Thema wird,
wenn die Kinder auf der Welt sind
und die dann richtig Stress haben,
weil sie von mir aus viel alleine sind,
zu viel einfach machen,
total überlastet, überfordert sind
und dann nimmt das zu.
Und dann findet man den Weg so dorthin.
Und das finde ich mega spannend.
Deswegen die Frage gerade,
wie das bei dir ist,
wenn du Stress bekommst.
Oder auch anhaltenden Stress vielleicht.
Ich versuche ihn zu umgehen.
Ich bin zum Beispiel eigentlich der Typ wie du, Pierre.
Eigentlich komme ich zu spät.
Habe mir aber immer angeeignet,
viel zu früh da zu sein.
Dann stehe ich halt 20 Minuten irgendwo
und warte auf dich,
weil dann bin ich immerhin pünktlich.
Ich bin nur zu früh da.
Das ist richtig.
Und ich kann meinen zu spät kommen
nicht mal entschuldigen mit irgendwas.
Das ist mir eigentlich auch...
Das ist einfach in der Regel ein schlechtes Zeitmanagement.
Ich habe es auch schon mal gesagt.
Ich habe so lange ein Motivationsproblem,
bis ich ein Zeitproblem habe.
Schon hast du wieder was fürs Phrasen.
Aber du willst es ja nicht.
Du hast es abgelehnt.
Ich habe in dem letzten Podcast es so geschnitten,
dass ich damit einverstanden war.
Aber gehen wir mal davon aus,
wir haben da so eine junge Frau,
die hat ein Kind, was nicht schläft.
Das ist so der Klassiker.
Das nicht schläft.
Sie schläft dadurch auch weniger, hat richtig Druck.
Und dann wird das aufgearbeitet.
Und dann kommen diese ganzen klassischen Sachen,
die kommen dann so noch dazu.
Und als völlig selbstverständlich,
und das finde ich auch ganz, ganz wichtig,
dass man das berücksichtigt.
Man kommt ja mit der ADHS auf die Welt.
Das kriege ich ja nicht erst mit zwölf oder so.
Das ist ja da.
Und es ist für die Betroffenen oft,
das bin ich halt.
Das ist mein Charakter oder das sind meine Eigenschaften.
Und die erkennen gar nicht,
dass es ein Krankheitsbild ist.
Und das ist mega, mega spannend.
Und wenn ich jetzt mal bei den Frauen
oder bei den Müttern bleibe,
wenn die dann dahin kommen,
und dann durch einen Facharzt oder so eine Diagnose bekommen
und eine Medikation als Unterstützung erst mal kriegen,
dann sind das 100 Millionen Kilo,
die da erst mal abfallen,
an Ballast, der da dahinter steckt.
Und das ist teilweise so emotional,
wenn die mal eine Ruhe kriegen.
Und dieses, was für sie immer normal war,
ist auf einmal Pause und mal durchatmen.
Und das finde ich aus meiner Sicht,
also aus der gegenteiligen Position hier,
mega beeindruckend.
Jedes Mal wieder.
Und toll, dass es dann auch sowas gibt,
was eine Pause macht.
Toll, ja.
Jetzt habe ich mich reingeredet.
Wenn Sascha nicht schlafen kann aufgrund des ADHS,
dann shoppt Sascha.
Aber das ist ja auch typisch ADHS eigentlich.
Und schickt mir dann aber auch um halb vier
dann gleich, guck mal, was ich gekauft habe.
Hast du keinen Flugmodus an?
Naja, ich schlafe ja, Gott sei Dank.
Also ich holde mein Handy nicht.
Aber wenn du nochmal so eine
Mutter hast, dann sag ihr, nimm das Handy weg
und kein Amazon drauf oder sonstige.
Das Shoppen ist tatsächlich
ein Riesenpunkt. Und dann horten die
ihre Amazon-Päckchen und dann bringen sie die
halt wieder zurück. Weil da steht ja dann auch
noch der Mann,
der dann sagt, das geht so nicht.
Das müssen wir zurückbringen.
Du bringst sie nur zurück, wenn du das noch hinkriegst.
Es gibt so Dinge,
Pia, auch was wichtig ist,
das ist manchmal ein Problem, auch bei mir.
Also ich habe neulich
vier Tage nicht geschafft,
mir Folgerezepte zu holen.
Weil ich immer, wenn ich dran gedacht habe, hatte der Arzt gerade zu.
Dann habe ich gesagt, gut, mache ich später.
Dann war die Sprechzeit zu Ende.
Aber mein Medikament auch schon lange.
Das hat vier oder fünf
Tage gedauert.
War nicht schön.
Aber ich finde das ganz, ganz wichtig herauszustellen,
dieses, wenn man
die Vermutung hat, das könnte in so eine
Richtung gehen, würde ich immer raten,
macht eine Diagnostik. Das tut keinem weh.
Wobei ich aber glaube,
dass das heute gerade im Bereich der,
Kinder und Jugend,
hast du extreme Wartezeiten.
Also ich weiß auch...
Die hast du auch im Erwachsenenalter.
Ja, wahrscheinlich. Weiß ich nicht,
ob du da dieselben
diagnostischen Bögen kriegst.
Da weiß ich nicht.
Ist die Diagnostik bei Erwachsenen
dieselbe wie bei Kindern?
Du hast bei den Erwachsenen die Herausforderung,
dass du halt nachweisen musst, also laut der ICD-10.
Erklär vielleicht nochmal kurz,
was die ICD-10 ist.
Die ICD-10 ist unser
Klassifikationssystem in Deutschland
quasi für alle psychischen Störungen.
Und da ist die ADHS natürlich mit
aufgeführt. Da haben wir diese Batterie,
die du vorhin genannt hast, an den verschiedenen
Symptomen, die Hyperaktivität,
sagen wir noch, die Impulsivität,
die Reizbarkeiten sind halt eben
die verschiedenen Symptome, die bei allen
ein bisschen anders ausgeprägt sind.
Und bei den Erwachsenen ist die erste Hürde,
dass sie quasi nachweisen müssen,
dass die ADHS-Symptomatik
im Kindesalter schon vorlag.
Wenn ich mich nicht irre, dann ist es bei der ICD-10,
bei der ICD-11 ein bisschen aufgeweichter,
dass es bis vor dem 12. Lebensjahr
sein musste, aber aktuell mit der
ICD-10 ist es noch vor dem 6.
Und das ist schon schwierig.
Da gibt es ja auch noch keine wirklichen
Zeugnisse oder sowas. Und da ist halt
eben die Fremdbeurteilung wichtig,
weil das Kind selber oder der Erwachsene,
wenn du jetzt als Erwachsener in der Diagnostik sitzt,
du kannst dich ja gar nicht mehr so
viel daran erinnern. Meistens zumindest.
Ich glaube, du würdest zum Beispiel ein starkes
Problem kriegen, das haben ja auch viele,
wenn du dich mit deinen Eltern verstritten hast.
Später.
Und du dich dann gar nicht mehr miteinander redest,
weil die müssen diese Bögen ausfüllen.
Und was beim Erwachsenen noch dazu kommt,
was jetzt immer ein bisschen kompliziert ist,
macht, wir haben gelernt
zu maskieren.
Richtig.
Wir wollen ja wirken, als würden wir funktionieren.
Und dann maskieren wir stark.
Und dann musst du noch unterscheiden, wo wird
maskiert und wo ist es
wirklich, weil das ist manchmal nicht ganz klar.
Genau.
Jetzt haben wir ja vorhin schon mal kurz gesprochen,
die Kinder kriegen dann ihre
Sätze, du bist zu laut etc.,
du störst den Unterricht und so weiter.
Das ist ja gar nicht in der
bösen Absicht, um denjenigen irgendwie zu
verletzen oder das Schlimmere ist
anzurichten. Aber wenn jetzt jemand ständig
aufsteht im Unterricht, soll eine ruhige
Arbeit gemacht werden oder sowas, der steht
ständig auf, der Stuhl fällt um.
Ich hatte einen Jungen mal, der musste
immer, der hat immer diesen Drang gehabt, aufzustehen
und im Kreis zu laufen.
Natürlich stört das die anderen
Schüler. Das ist ein unglaublich
leidvoller Weg für so ein
Kind.
Wenn es immer wieder diese Ablehnung
und diese Ausgrenzung auch bekommt,
sprechen wir nun mal von Kindergeburtstagen,
wo die dann nicht mehr eingeladen werden
und so weiter.
Das ist schon
harter Tobak.
Und dann geht es ja nicht nur bei den Kindern ja auch los,
sondern in den Elterngruppen,
gerade in Zeiten von WhatsApp oder
anderen Messenger-Diensten ist ja dann auch
immer der Teufel los.
Genau und letztendlich hast du dann für die
Erwachsenen die Zeugnisgeschichte, um das irgendwie
nachzuweisen und halt eben Gespräche,
mit den Eltern, Fragebögen,
Fremdbeurteilung, Eigenbeurteilung
und dann guckt man letztendlich,
bestehen die Symptome
heute immer noch. Die Frage ist ja was,
also wenn ich jetzt so unsere Jahrgänge
nehme, 41,
bin 39,
mit 43,
also bei mir stand ja ein Text
überschaubares drauf,
auf den Zeugnissen, ich weiß jetzt nicht inwiefern da,
gerade wenn es ein Kind
oder Jugendlicher ist, der eher
verträumt ist und nicht groß auffällt,
immer abgesehen von seinem.
Es stand genau das drauf, was es war.
Es stand immer drauf,
ich könnte mehr,
bin aber immer unter meinen Leistungen
geblieben und es war immer so, dass man
sich gesagt hat. Aber reicht das schon,
um nachzu, als Nachweis für...
Es ist hilfreich. Genau, es geht
darum, um diese Tendenz letztendlich.
Du hast ja dann das, was die
Eltern sagen, im besten Falle, das wo du
dich vielleicht selber noch dran erinnerst
und die Zeugnisse sind halt ein
Baustein, der da mit reinfällt.
Ja. Und es ist so dieses,
im Prinzip hat man immer gesagt, man weiß,
ich kann mehr, aber irgendwie will ich
ja nicht. Und das war ja nicht der Fakt, das ist
das Problem. Aber ich behaupte, es gibt auch Kinder,
die einfach so sind. Also ohne, dass sie jetzt
ADHS haben, sondern einfach die, die keinen
Bock drauf haben und dementsprechend,
die gab es auch schon immer. Ja, aber da bin ich
jetzt, finde ich jetzt wieder schwierig, dann würde ich wieder sagen,
warum?
Weil es denen in der Schule einfach keinen Spaß macht.
Aber warum?
Naja, wir haben ja auch Kinder, die auffallen,
weil sie zum Beispiel Schwierigkeiten zu Hause
haben. Ganz klassisch.
Dann haben wir aber wieder ein Warum, das meine ich hier.
Dann ist auch da ein Hintergrund, den man sich angucken
müsste. Ja, natürlich.
Also eine Diagnose zu
stellen,
das macht man nicht mal eben so in 10 Minuten.
Aber anhand von 20 oder
30 Jahre alten Zeugnissen?
Ja, also auch. Es ist ja nur
ein Bauteil.
Aber da muss ja schon ein Deutiges ja auch dann drinstehen.
Ja, bedingt. Du hast ja noch die
Fragebogen, die die Eltern
kriegen zur Beobachtung.
Du hast ja noch die Beurteilung, du bist selber
bei einem Gespräch. Ich hatte mehrere, die gingen
recht lange. Da ging es darum, wie es
mir geht, wie ich mich wahrnehme,
wie ich irgendwo reagiere.
Und dann gab es noch einen Computertest,
bei dem ich meine
Aufmerksamkeit getestet wurde.
Das sind ja
richtig gut strukturierte
Interviews letztendlich, die dann da mit
den Betroffenen geführt werden. Und auch, wenn
du erwachsen bist, gibt es auch
die Möglichkeit,
eine Fremdeinschätzung durch den Partner
auch einzuführen.
Oder dich Freunde oder so.
Und auch die Differenzialdiagnostik
ist ja auch nicht so ohne.
Jedes Symptom kann ja
auch was anderes sein. Und es braucht schon eine
klare Diagnostik.
Ich war bei mir zum Beispiel drin, dass man
noch gucken musste, weil man
vielleicht auch eine Sozialphobie
gesehen hätte.
Was häufig ist bei ADHS.
Oder was heißt häufig? Nicht so selten.
Drücken wir es so aus.
Hatte ich früher auch ganz stark.
Heute
nicht mehr, weil ich habe mir ja
irgendwie
also ich habe es mit ungefähr 30
erfahren und dann ging der Weg ja
tatsächlich los, muss ich sagen. Dann habe ich
erfahren, ich habe ADHS. Ich war
schon in Behandlung wegen der Depression.
ADHS war dann der Schlüssel, um
das überhaupt erstmal alles wieder
in die Biege zu kriegen. Ich hatte einen
Therapeutin, bei dem
ich heute sagen würde,
ich glaube, er kannte sich nicht so super mit dem
Thema aus, war aber für mich
irgendwie doch gut, weil er
wehgegangen ist, die untypisch war.
Also
ich war so stark
depressiv, dass ich mir irgendwann gesagt habe,
also ich probiere das jetzt noch
einmal mit irgendeiner Therapie
und wenn das nicht wird, dann gehe ich
über den Jordan, da war ich mir recht sicher.
Muss man ganz offen so sagen und ich habe dann
diesen Therapeuten gekriegt,
mit dem ich eine Abmachung hatte,
die für ihn auch nicht ungefährlich war.
Also er war Psychotherapeut und Allgemeinarzt.
Wir haben
nämlich die Abmachung getroffen. Ich muss mich
jeden Tag bei ihm melden. Dafür kann ich
die Klinik vermeiden, weil da wollte ich nicht hin.
Weil ich die Klinik bei
anderen, in meinen Fällen,
ich will nicht sagen, dass das allgemein so war,
bei meinem Bekanntenkreis waren die immer
welche, die sind da hingegangen, die waren auch nicht so richtig
bereit, sich helfen zu lassen, würde ich heute
sagen, kamen da wieder raus und
alles brach wieder zusammen.
Und mein Kopf hat dann gesagt, nee, dann kann ich es auch
gleich ohne Klinik machen, weil dann habe ich
alles andere trotzdem noch, was ich so habe.
Und bei
vielen Dingen, ich will es nicht
genau behaupten, aber ich habe bei manchen,
das Gefühl, er könnte selbst betroffen
sein von dem ADHS, weil
vieles war für ihn so ganz normal.
Das hat mir ein bisschen geholfen
und er war halt von einer Art so,
also ich hatte vorher,
etliche Jahre vorher mal einen Versuch
mit einer ambulanten Therapie,
mit einer Tagesklinik.
Die sind heute bestimmt weiter, aber
2002 war das, glaube ich,
2003 waren die nicht so
weit zu erkennen, was mit mir los war.
Und ich war ziemlich gut darin, rauszufinden,
was sie hören wollen irgendwann.
Und damit ich nicht in so Gesprächen,
die wir hatten, abgestempelt
werde als nicht therapierbar, weil das wollte ich
damals nicht sein, sondern ich
bin quasi als geheilt
entlassen worden. Und wenn man die Berichte noch
sehen würde, ich habe sie,
dann kann man sehen, wie sie sich selber auf die Schulter klopfen,
weil sie das gut hingekriegt haben. Aber eigentlich
habe ich ihnen nur erzählt, was sie hören wollten.
Also da sind wir ja beim Maskieren.
Ja.
Und bei den Psychotherapeuten war es halt wirklich so,
dass ich gesagt habe, ich habe so eine
Unordnung. Und dann sagt er, ja, die habe ich auch.
Dann nimmst du deine Quittung
und legst sie alle in den Schuhkarton und ich bringe
die dann zum Steuerberater und
solche Sachen. Das hat mir damals da sehr
geholfen. Vor allen Dingen, weil er auch so offen war
für meine Sachen. Also ich weiß, dass zum Beispiel
manche Psychotherapeuten ein
Problem damit haben, wenn ich
mit etwas komme und sage, ich glaube,
ich habe das. Es gibt immer noch welche,
Gott sei Dank nicht mehr ganz so
viele, aber es gibt immer noch welche, die
mir dann erzählen, dass sie das ja viel besser wissen,
was mit mir los ist. Ja, genau.
Aber das ist ja auch so
ein typisches Lehrer-Ding.
Du kriegst, also ich hatte
mal eine Lehrerin, die hat immer gesagt, bei mir
kriegst du keine Eins, weil
dann könntest du das ja genauso gut wie
ich und das kann ja gar nicht sein.
Oh. Okay.
Speziell.
Ich glaube, ich war auch sein erster ADHS-Patient.
Danach wurden es mehr.
Weil der
dann nämlich auch Kontakt, lustigerweise Kontakt
mit diesem Sozialarbeiter aufgenommen hat
und die dann sich auch ausgetauscht
haben und zusammengearbeitet haben. Er hat hinterher
gerne ADHS-Lager gehabt. Das weiß ich noch.
Aber ich war sein erster
und dann musste ich
irgendwann wechseln, weil er
nur noch privat macht.
Aus dem ganz
einfachen Grund, er hatte auf dieses ganze digitale
Graben keine Lust mehr. Er war auch schon älter.
Dann war ich bei einem, der hat
das einfach so fortgeführt, würde ich sagen.
Und jetzt bin ich ganz froh.
Jetzt habe ich einen gefunden, der da so
richtig Spezialist ist. Wir hatten bisher nur
einen Termin, aber ich habe
im ersten Termin schon schnell gemerkt,
der weiß mehr,
wovon wir reden.
Der wird auch noch Dinge tun, die mir nicht gefallen,
weil er sagte, naja, Bluthochdruck und
Medikament, finde ich dann nicht so gut. Müssen wir
vielleicht nochmal drüber reden.
Aber
schauen wir mal. Also
hauptsächlich war es ja so die letzten Jahre,
ich habe meine Verschreibung gekriegt,
bin damit zur Apotheke
und musste mich regelmäßig melden,
so ist alles gut oder nicht.
Ich habe ja auch tatsächlich
relativ viel alleine
hingekriegt und bin mittlerweile,
das ist ja,
etwas, was immer schön ist.
Ich war ja die ersten
30 Jahre meines Lebens hauptsächlich
arbeitslos
oder in irgendwelchen Zeitarbeiten
meist nicht lange, weil
ging nicht so gut. Und dann mit
dieser Diagnose habe ich halt
diesen Turn gekriegt und habe dann
geschafft, Depressionen erstmal weg, wichtig,
sonst wird nämlich gar nichts.
Und dann
mit dieser ADHS-Diagnose
habe ich dann so nach und nach erkannt,
was kann ich eigentlich und wo bin ich gut?
Und auch dann war es
nochmal schwierig tatsächlich, weil ich habe
nie lang genug gearbeitet, um eine Reha
zu machen über eine Rentenversicherung beruflich.
War nicht möglich.
Und beim Arbeitsamt
war ich immer bei psychologischen Gutachten
und ich kann mich sehr gut an eins erinnern,
wo er dann wieder die Ergebnisse
hatte und ich dann irgendwann mal trotzig,
wie das so als ADHSler sein kann, gesagt habe,
wenn ihr nicht fragt, was ich kann,
dann werden wir es auch nicht rausfinden.
Und da kam dann die Frage,
ja, was können Sie denn?
Und dann kamen wir darauf, dass ich Webseiten
baue, was mit Computern mache und
der hat mir damals sehr geholfen,
weil er das Arbeitsamt festgesetzt hat.
Er hat gesagt, Herr Sander ist nur noch in Computerberufe
zu vermitteln und
damit waren im Arbeitsamt aber auch die Hände gebunden,
weil das ging ohne Ausbildung nicht mehr.
Und ja, ich habe dann hinterher tatsächlich
aber noch drei Jahre gebraucht, um
die Umschulung beim Arbeitsamt durchzukämpfen.
Ich musste die erst mit ihren eigenen Mitteln
schlagen, immer wieder psychologische Gutachten,
die immer wieder sagen, es geht nur das.
Das wäre aber auch nicht
gegangen mit einer Depression.
Das ist ja genau der Punkt.
Und das finde ich auch unser Gesundheitssystem übrigens
lustig. Da muss ich nochmal stark kritisieren.
Wenn du bedenkst, wie schwer du
an einen Termin kommst bei Psychiatern
und dann überlegst, dass
depressive Menschen oder psychisch kranke Menschen
ja oft gar nicht in der Lage sind, das so
strukturiert durchzuziehen
und gerade bei einer Depression du schnell denkst,
ja, dann kann man mir halt nicht helfen, dann ist das
schwierig. Also heute gehe ich so weit, hätte ich
keinen Psychiater gefunden, hätte ich mich ganz schnell
wieder zu einem Fall gemacht,
der dann offiziell in die Klinik muss, dann wäre ich
da reingegangen, hätten wir beide festgestellt, da gehöre
ich ja gar nicht mehr hin. Und danach
hätte ich die psychische Institutsambulanz
benutzen dürfen, die einen Termin hatten,
die hätte ich aber vorher nicht benutzen dürfen.
Ja, das System ist sehr
marode.
Ich glaube, es ist
schwierig, gerade für die Betroffenen,
weil ich immer denke, wenn du nicht mehr
viel kannst
und nur wenig in der Lage bist, dann
bleibt dir wirklich nur, es so weit zu eskalieren
zu lassen, bis du in die Klinik musst.
Und wenn du eine Situation hast,
wie bei dir, die ADHS,
und es klassifiziert sich noch eine
Depression, war es bei dir, meine ich,
dazu, dann ist es ja auch wichtig, dass die
erstmal im Fokus steht, die muss erstmal
sauber sein wieder, bevor man
an die ADHS geht letztendlich.
Da kann ich immer einen guten Tipp mitgeben aus meinem
Leben, das waren nämlich zwei Dinge, die ich
gelernt habe für mich, die ich mir klar machen musste.
Das erste war für mich
zumindest, Veränderung fühlt sich immer
falsch an. Das war ein ganz wichtiger
Kram, den ich selber hatte, nachdem ich mir das
klar gemacht habe, fiel es mir leichter.
Und ich habe
ziemlich lange gebraucht, bis ich
das richtige Antidepressivum hatte.
Das war mir vorher auch
nicht klar. In der ersten Therapie war es so,
ich habe eins gekriegt, das müsste ja eigentlich wirken.
Also bin ich davon ausgegangen,
das hat richtig gewirkt. Heute kann ich
sagen, nö. Das hat nämlich nur dazu
geführt, dass mir alles scheißegal war. Das war aber
gar nicht das Ziel. Und irgendwann
war es bei mir, wenn
da Faxin, das passte ganz gut auf meine
Schiene. Aber das,
muss man sich auch klar machen, dass es auch jetzt mal
schlimmer werden kann und dass man mehrere
Präparate braucht. Das hatte man mir am Anfang
nicht gesagt. Und ich glaube,
deswegen bin ich ganz früh davon ausgegangen,
ja, wenn das nicht wirkt, dann kann mir ja auch
wieder nichts helfen.
Ja, und diese Aufklärung, die ist so wichtig.
Dieses Verstehen, was passiert denn da überhaupt?
Warum, wieso, weshalb?
Das ist zumindest mir ganz, ganz heilig,
das immer wieder zu erklären. Und warum
und jetzt hier und das und dies und jenes.
Egal, worum es jetzt geht.
Einfach,
damit der Klient weiß,
was passiert denn da eigentlich?
Dieses Nachvollziehen, weil es ist ja Nachvollziehen,
was du beschreibst. Dann habe ich
das mit der Veränderung, habe ich dann verstanden.
Ah, dann konnte ich besser damit umgehen.
Und genau darum geht es ja letztendlich.
Genau, dann konnte man es auch akzeptieren, dass es sich falsch
anfühlt, weil man dann rausgefunden
hat, ja okay, das ist so.
Das ist aber eigentlich, wenn man es logisch
betrachtet, wieder ganz logisch, weil wir sind ja
schon Geschöpfe, die gerne
so bleiben möchten, wie sie sind.
Und wenig Veränderungen
mögen. Und alles, was wir
nicht kennen, lehnen wir zumindest
unterbewusst oft erstmal ab.
Es sei denn, es spielen Liebesgefühle
oder sowas mit drin, dann sind wir geisteskrank.
Aber ansonsten
passt das schon ganz gut.
Und zeigt aber wieder, wie wichtig eigentlich diese Kombi
ist aus Medikation
und Psychotherapie dann.
Sind wir ja beim Stichwort.
Dein Part daraus ist ja
Psychotherapie.
Gibt es da spezielle Anwendungen,
spezielle Bereiche,
wo du da reingehst? Also spezielle Methoden
auch, die du anwendest?
Bei mir ist es ja eher immer zufällig, dass
wir auf diese ADHS-Geschichte stoßen,
weil die Menschen mit was ganz anderem
herkommen. Bleiben wir mal bei dem
Mutterbeispiel vorhin zum Beispiel.
Die dann zum Beispiel kommen,
weil sie sich einfach überfordert
fühlen und leicht denken, sie
machen irgendwas falsch, sich
ja einfach in ihrer Rolle nicht
ankommen oder das Gefühl haben,
ich kriege nichts auf die Reihe, ich versage
total und ähnliches und dann
rutschen wir da eigentlich so ein bisschen
zufällig in die Richtung. Ich stelle
diese Diagnose auch nicht, ich verweise
an entsprechende Stellen, wo
dann eine Diagnose gestellt
wird eben und wo dann...
Also du gibst erstmal nur einen Rat,
dass du vielleicht darauf machst.
Ich weise darauf hin, dass ich der Meinung
bin, dass hier eine ADHS vorliegt, nach
meinem, nach meiner
Diagnostik quasi und
verweise darauf, dass sie eben zu einem
Facharzt gehen sollen, um sich richtig
diagnostizieren zu lassen, also
kassenärztlich quasi
und dann auch, wenn die das wollen,
eine entsprechende medikamentöse
Unterstützung kriegen, weil sie halt einfach
manchmal meistens
mega wichtig ist.
Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der total
für Medikation ist, aber in
manchen Sachen geht es halt nicht anders,
wie bei deiner Depression zum Beispiel.
Es gibt
halt Punkte im Leben, da geht es
nicht anders und dafür sind sie ja auch da,
um zu helfen und um zu unterstützen.
Was wir dann eben noch
begleitend machen, sind eben diese ganzen
Randgeschichten, die dann kommen.
Die Edukation zum Beispiel, diese Erklärung,
was passiert da und so weiter und so fort.
Wir arbeiten Dinge auf
aus der ganzen Kindheit,
diese ganzen Glaubenssätze, was wir
vorhin schon hatten mit den Du-Botschaften,
die zu Ich-Botschaften werden, die zu meinen Glaubenssätzen
werden, die dazu führen, dass ich bestimmte
Muster habe, wie verhalte ich mich, warum,
wieso, weshalb.
Sich selber finden,
sich selber wahrnehmen, sich selber kennenzulernen,
eigene Grenzen setzen,
Punkt, Punkt, Punkt.
Das könnte man jetzt hier noch
ganz weit ausbauen.
Kommt auch immer ein bisschen drauf an, was der
Mensch auch will. Das Wichtige ist,
ich will mich verändern oder ich möchte eine
Veränderung und dazu sind die auch
eigentlich alle bereit.
Du musst halt immer gucken, wie lange es dauert. Ich weiß,
dass bei mir diese Phase, dieses,
was man ja auch hat, dieses, was hätte ich
alles tun können, wenn ich gewusst
hätte, dass ich das habe,
die war nur kurz.
Weil ich sehr schnell nach dem Motto gelebt
habe, hätte, hätte, Fahrradkette.
Ich arbeite in meiner Praxis mit
Schwerpunkt Trauma und auch
kognitive Verhaltenstherapie und das ist für mich
eine schöne Kombi,
nervensystemorientiert zu arbeiten mit eben
den Skills der Verhaltenstherapie
und jetzt habe ich den
Faden verloren.
Ach so, doch, jetzt kommt er wieder.
Da ist er, da ist er.
Der Faden.
Mein Schwerpunkt ist ja hier von meinen
Ansätzen traumatherapeutisch
und verhaltenstherapeutisch und das kombiniert,
das spüre ich gern und wenn wir dann mal
zurückblicken, was diese
Menschen in ihrer Kindheit für
einen leidvollen Weg einfach hatten, dann
haben wir da eben auch Traumatisierungen
dabei, die eine Rolle spielen.
Menschen, die sich wirklich
zurückgezogen haben, die sich abgekapselt
haben irgendwann, die Probleme
haben, Freundschaften zu knüpfen,
zum Beispiel, hatten wir vorhin, ne, Freundschaften
auch zu halten und solche Sachen.
Das machen wir dann hier.
Und das finde ich auch eine sehr
wichtige Arbeit, ehrlich gesagt.
Ja, garantiert. Also es ist schon so,
ich gebe diesen berühmten
Spruch, den finde ich ganz gut, da steht
so, ich habe es jetzt wirklich versucht
mit den Menschen, ich möchte jetzt
wieder zurück auf meinen Heimatplaneten oder ich möchte
jetzt wieder abgeholt werden. Das beschreibt
es ganz gut, wie man sich oft
gefühlt hat, manchmal noch
fühlt. Ich habe es relativ selten, weil ich mich
ja gut akzeptiert habe, aber es gibt auch diese
Momente noch, wo ich das Gefühl habe, ich passe
hier so überhaupt gar nicht rein.
Dieses Gefühl als
Kind und Jugendlicher, das
war nicht
unbedingt gut. Dieses
ständige, ja, du gehörst nicht dazu
und das passt doch alles nicht. Du denkst
anders als diese Leute, du nimmst ja auch
anders wahr und
ja, vor allen Dingen,
ich glaube gerade so in diesen Situationen,
wo es irgendwie Druck gab,
gab es dann auch mal so kleinere
Ausraster. Also du
erlebst mich ja heute eher als den
Sprüche-Klopper. Gute Laune-Bären
ist auch ein guter Laune-Bär.
Ja. Theoretisch
bin ich das auch. Ich meckere nur tatsächlich.
Das ignoriere ich.
Vor allem, wenn du mich anmeckerst.
Ja, das darfst du auch nicht persönlich nehmen. Es sind auch immer Momentaufnahmen.
Das ist auch was, was ich gelernt habe
zwischen mir und anderen Menschen.
Wenn ich jemandem sage, du bist doof,
dann finde ich den gerade in dem Moment doof.
Nur in dem Moment. Der andere
versteht aber oft gegenüber, dass ich ihn immer
doof finde. Das ist aber
gar nicht der Punkt, sondern er hat mich gerade in dem Moment
vielleicht ein bisschen genervt und ich hab's gesagt.
Also ich kann dir sagen, wenn ich dir sage, du bist doof,
dann finde ich das immer.
Das stimmt nicht.
Nett.
Ich hab dir schon mal im Büro gesagt, einer von uns
beiden ist klüger als du.
Ich weiß heute noch nicht, wen du meinst.
Die Kinder lernen ja natürlich auch durch diese
Ablehnung,
nennen wir es einfach mal,
sich irgendwo anzupassen.
Ihre Symptome zu verschleiern,
sie unterzugraben und wenn
der Erwachsene sitzt,
dann vielleicht nicht mehr ganz so hibblig, sondern
wippt nur noch mit den Zehen im Schuh oder so was.
Das sind ja so klassische Beispiele.
Das kriegen
die dann irgendwie hin und auch
das macht eine Diagnostik ja nochmal schwierig,
weil ja auch alles, was erstmal
neu ist oder aufregend ist,
kann man sich ja gut drauf
konzentrieren. Ich weiß nicht, wie das,
kannst du das bestätigen?
Ja. Und dann sitzt jetzt derjenige bei
einem Diagnostiker, wer auch immer das ist
und dann zappelt der da gar nicht
rum oder ist gar nicht abgelenkt
oder ähnliches.
Genau.
Und das macht es halt auch wieder,
schwierig. Und dann gibt es auch wieder die
Menschen, die dann sagen, ja, ich war ja schon beim
Diagnostiker, ein Termin
und er hat gesagt, hab ich nicht.
Und so schnell, das ist zumindest meine Erfahrung,
so schnell geht es halt oft gar nicht,
sondern es ist ein längerfristiger
Prozess. Ich weiß noch, bei meiner Diagnostik
habe ich gesagt, wir kriegen ein Problem, weil ich habe
hier richtig Bock drauf.
Okay.
Hast du das schon mal in deinem Arbeitsleben
gesagt?
Ja, doch.
Aber meist rührte daraus, dass ich
neue Arbeiten hatte, die ich nicht haben wollte.
Das machst du nicht mehr.
Ja. Ja, also diese
Diagnostik-Situation war auch so, dass ich da ja
lange drauf gewartet hatte tatsächlich
und ja schon so weit war,
dass ich eigentlich schon wusste, was mit mir los ist
und nur dieser Schritt gefehlt hat,
die Diagnostik zu haben, weil ohne
die keine Medikamente, zumindest
nicht die, die WTM sind,
also Betäubungsmittel.
Und dann sitzt du halt da.
Dann freust du dich schon drauf,
kannst das alles ganz gut reflektieren
schon.
Und das ging aber
hinterher ganz gut. Also man ist auch nochmal nervös,
bevor man dann Diagnostik, man fährt ja wieder
nach den zwei Tagen und weiß erst mal gar nichts.
Zumindest war es damals noch so. Dann hat es glaube ich
noch drei Wochen gedauert, bis ich einen Termin
hatte, wo ich wieder hin musste
und mir dann gesagt hat, ja,
wir glauben, es ist das Wahrscheinlichste,
dass sie ADHS haben. Und in dem Moment habe ich gedacht,
wie das Wahrscheinlichste. Aber es ist
ja eine Ausschlussdiagnose. Das habe ich hinterher
verstanden. Also, aber in dem Moment
habe ich gedacht, hä?
Was denn jetzt? Sind wir uns sicher oder nicht?
Genau, es gibt so viele
Differenzialdiagnosen da.
Es ist einfach schwierig.
Gerade auch das Thema
Persönlichkeitsstörung dann, die ja auch von
früh an da ist.
Wobei der ADHSler
mehr in der Lage ist, auch zurückzutreten
und zu erkennen, das ist ein Problem
für mich. Und das macht derjenige
mit einer Persönlichkeitsstörung nicht.
Mal bei der Impulsivität
oder so, da sind dann eigentlich immer die anderen
schuld. Und das ist bei dem
ADHSler eigentlich nicht so.
Genau, die Impulsivität hatten wir gerade,
wenn wir so schön sind, beim letzten Podcast.
Also so schön ruhig, wie Pierre da gerade sitzt.
Und man nichts beisteuern kann.
Beim letzten Mal ging es um Marathon-Sport.
Das war zwar meine Idee,
aber damit habe ich halt wirklich gar nichts
so am Hut. Und
ich war definitiv das störende
Element.
Kein Schütz.
Weder bestätigen noch dementieren.
Als ich mir die Aufnahme angehört habe, habe ich festgestellt,
dass ich
die Gästin Ina nicht mal,
weil ich richtig Hallo sagen habe.
Da habe ich schon reingelabert.
Das ist auch typisch ADHS.
Das war Teil 1
unseres ADHS-Zweiteilers
mit Therapeutin Stefanie Feist.
Wenn du dich in manchen
Punkten wiedererkennst,
du bist damit nicht allein.
Und nein, das heißt nicht automatisch
ADHS. Aber es
kann ein sinnvoller Anstoß sein,
genauer hinzuschauen.
Wenn du das schon spannend fandest, dann
bleib unbedingt dran. Nächste Woche
geht's weiter mit Teil 2.
Also Abo dalassen,
Folge speichern, gern teilen.
Und dann hören wir uns nächste
Woche wieder. Bis dahin,
mach's gut und bleib
neugierig.